Hellweg 390 (Kachtenhausen)

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Hellweg 390 (Kachtenhausen)
OrtsteilKachtenhausen
StraßeHellweg (Kachtenhausen)
Hausnummer390
Karte
Adressbuch von 1901Ja
GemeindeWellentrup
WohnplatzWellentrup
Hausnummer004

Hof Haverich, früher Havergoh, Halbspänner, ehemals Wellentrup Nr. 4.

Wellentrup Nr. 4, Hof Haverich, Luftbild um 1950
Hof Haverich, Haupthaus von 1765. Foto: Friedrich W. Pahmeier, 1970, Sammlung der LLB Detmold
Haupthaus von 1765, Torbogen. Foto: Friedrich W. Pahmeier, 1970, Sammlung der LLB Detmold
Hof Haverich, Leibzucht von 1785 (heute Hellweg 388). Foto: Friedrich W. Pahmeier, 1970, Sammlung der LLB Detmold
Restaurierter Torbogen der Leibzucht von 1785 mit älterer Jahreszahl 1553 an der linken Knagge. Foto: Hans-Christian Schall, 2009
Wellentrup Nr. 4, Leibzucht von 1765 mit wiederverwendeten Althölzern von 1553, Giebelansicht. Aufmaß und Zeichnung: Stiewe 1996
Wellentrup, Hof Havergoh, altes Meierhaus. Dreiständerbau von 1553, rekonstruiert aus Althölzern im Leibzuchtshaus von 1765. Querschnitt und Ansicht, Rekonstruktion. Aufmaß und Zeichnung: Stiewe 1996

Geschichte

Der Hof Haverich Nr. 4 ist ein sehr alter Einzelhof am westlichen Rand von Wellentrup, dessen ursprünglicher Name Havergoh Bezüge zu dieser altsächsischen Landschaftsbezeichnung für den Raum etwa zwischen Lage und Oerlinghausen erkennen lässt. Eine Entstehung des Hofes im frühen Mittelalter, vielleicht im 7. oder 8. Jahrhundert n. Chr., ist anzunehmen.

Um 1160 wird der Hof als praedium Havergo in der Vita Meinwerci, der Lebensbeschreibung Bischof Meinwerks von Paderborn (1009-1036) erwähnt; anscheinend war er alter Besitz aus dem Geschlecht der Immedinger, aus dem Meinwerk stammte. Später gehörte der Hof zur Grundherrschaft des Paderborner Benediktinerklosters Abdinghof.[1]

1437 wird der Hof in einem Rentenbuch des Klosters Abdinghof als curia in Havergoe bezeichnet, die von einem villicus (Meier, Hofinhaber) Henneke bewirtschaftet wurde.[2]

Seit dem 14. Jahrhundert vergab das Kloster seine Besitzungnen in Havergo und Wellentrup an bürgerliche Familien, zunächst an eine Bielefelder Familie "von Havergoh" mit dem Beinamen "Taschenmaker" und später an die Horner Familie Gobbel. Im 16. Jahrhundert versuchten die Inhaber des Hofes Havergoh, sich aus der Abhängigkeit von den "Gobbeln" zu befreien, indem sie versuchten, mith Hilfe von Zeugenaussagen alter Dorfbewohner eine adlige Herkunft und damit Lehnsansprüche gerichtlich nachzweisen, was freilich nicht gelang.[3]

Der Hof Havergoh, später Haverich, war ein Halbspänner, d. h. er musste bei seinen Spanndiensten mit einem halben Gespann (2 Pferden) dienen und mit einem anderen Halbspänner "zusammenspannen".[4]

Gebäude

Haupthaus von 1765, erbaut nach Brand eines älteren Vorgängerbaus.[5] Großer Vierständerbau von 14 m Breite und ca. 28 m Länge, Brettergiebel, gekrümmte Fußstreben rechts und links neben dem Dielentor. Altes Kammerfach um 1880 durch neuen, größeren Wonteil mit zweigeschossigem Kammerfach, Bruchsteinaußenwänden und seitlichen Queranbauten ersetzt. 6,8 m breite und 4,5 m hohe Diele, Kuhställe im schmaleren linken Seitenschiff, sechs Kuhstallöffnungen mit Kuhnackenriegeln und barocken Kopfbändern in der linken Dielenwand, Pferdeställe im breitern rechten Seitenschiff. Flett mit hoher Lucht links und halbhoher Lucht mit barocken Kopfbändern rechts, Räucherbühne über der früheren Herdstelle mit mittiger achteckiger Stütze. Wirtschaftsteil von 1765 nach Teileinsturz 1987 abgebrochen, jüngerer Wohnteil aus der Zeit um 1880 erhalten.[6]

Leibzuchtshaus, erbaut 1785 unter Verwendung wesentlicher Bauteile eines älteren Meierhauses von 1553 (heute Hellweg 388). Kleiner Vierständerbau von 5 Fachen mit Brettergiebel, auf gedrungenen, vorn gekürzten Knaggen vorgekragt. Knaggen am Torbogen mit tartschenförmigen Wappenschilden, auf der linken Knagge die eingeschnittene Jahreszahl 1553. Hauptständer im Giebelfachwerk durch auffallend große, gekehlte Kopfbänder markiert, Torbogen aus sehr breiten Hölzern mit feinen Tulpenranken und Sechssternen sowie fünfzeiliger Inschrift von 1785.[7]

Altes Meierhaus von 1553: Bei einer gründlichen Bauaufnahme 1996 konnten in dem kleinen Leibzuchtshaus zahlreiche wiederverwendete Bauhölzer eines älteren, sehr großen Gebäudes von 1553 identifiziert werden, darunter der Torbogen, mehrere Ständer mit Knaggen und Kopfbändern, Rähme und Deckenbalken. Mit Hilfe dieser Hölzer und zahlreicher Verzimmerungsspuren (Zapflöcher, Holznagellöcher) gelang es, Querschnitt und Giebelansicht des Vorgängerbaus von 1553 zu rekonstruieren. Es handelte sich um einen mächtigen Dreiständerbau aus sehr kräftigen Hölzern mit einer ca. 7,65 m breiten Diele und einer rechtsseitigen Stallabseite (Kübbung). Die Giebelbreite betrug etwa 14 m, die ursprüngliche Länge des Gebäudes konnte nicht mehr ermittelt werden. Die tragenden Hauptständer waren im Giebelfachwerk mit Kopfbändern markiert, das verbretterte Giebeldreieck kragte auf gekehlten Knaggen vor. Der Torbogen aus sehr breiten Hölzern hatte in der Mitte einen Balkenkopf mit einer Gesichtsmaske und ein breites, umlaufendes Schmuckband, das zusammen mit einer möglichen Inschrift bei der Wiederverwendung in der Leibzucht von 1785 abgehobelt worden ist. Dieser gewaltige Dreiständerbau muss das alte Meierhaus des Hofes Havergoh gewesen sein. Möglicherweise war dieser Bau schon im 17. Jahrhundert zur Leibzucht "abgesunken", nachdem man ein neues Meierhaus erbaut hatte, das schließlich 1765 abbrannte und den Neubau des heutigen Haupthauses notwendig machte. Eine ähnliche "Degradierung" von alten Meierhäusern zu Leibzuchtshäusern kennen wir auch von anderen Höfen, etwa Obermeyer in Lieme (Altbau von 1532/33 d) oder Meier zu Asemissen (Altbau von 1555 d).[8]

Stallgebäude und Speicher, 19. Jahrhundert Rechts vom Haupthaus steht auf dem Hof ein zweigeschossigess Stallgebäude aus Bruchstein mit einem Speicher aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Giebelfassade mit drei Fensterachsen, in der Mittelachse Eingangstür, darüber Ladeluken im Ober- und Dachgeschoss. Tür- und Fensteröffnungen sind mit Backsteinen eingefasst.

Weitere Nebengebäude Scheune, frühes 20. Jahrhundert.

Inschriften

Haupthaus von 1765, Torbogen:[9]

N. 4 ANNO 1765 DEN 8. IUNIUS. HAT BERNDT HENRICH HAVERGOH UND SEINE FRAUE ANNA ILSABEIN ERFLING / ZU KACHTENHAUSEN DIESES HAUS LASEN BAUEN DURCH M HANS / PSLAM 18. Z. 3. VERS. HERZLICH LIB HABE / ICH DICH HER MEINE STARKE HERR MEIN FELS MEIN ERRETTER MEN GOT. MEIN HORT AUF DEN ICH TRAUE / MEIN SCHILD UND HORN MEINES HEILS UND MEIN SCHUTZ HEBRÄER AM. Z. VERS. 13 ICH WIL MEIN / VERTRAUEN AUF IHN SETZEN

Leibzucht von 1785, Torbogen:

ANNO 1785 DEN Z.TEN IULIUS HAT HERMAN CHRISTOFEL HAVERGOH / UND SEINE HAUS FRAUHE ANNA SCHERLOTTE MEIERS AUS OHRESEN / HABEN DIS HAUS LASSEN BAUEN PSALM 1Z7 VERS. 1 WO DER HERR / NICHT DAS HAUS BAUET SO ARBEITEN UMSONST DIE DARAN BAUEN WO DER HERR / NICHT DIE STADT BEHUTET SO WACHET DER WECHTER UMSONST /.M. / IOHANN / HERMAN / PLOGER

Knaggen mit tartschenförmigen Wappenschilden und Resten von Bemalung. Auf der Knagge am linken Torständer befindet sich die eingeschnittene Jahreszahl 1553. Sie datiert ein älteres Meierhaus, von dem der Torbogen und zahlreiche Bauhölzer beim Bau des Leibzuchtshauses von 1785 wiederverwendet worden sind.

Eigentümer*innen, Bewohner*innen

Angaben nach Linde, Kachtenhausen 2004, S. 266ff.

1437: curia in Havergoe, villicus Henneke (Rentenbuch des Klosters Abdinghof, Paderborn)

1467: Havergoe 7 Gulden (de Monnekelude) (Landschatzregister 1467)

1528: Havergo to Welpentroppe und seine Frau mit ihren Kindern sind freie Leute, das Gut gehört den Gobbeln zu Horn. Havergo und Riekehoff spannen zusammen (to hope) und dienen m.g.H. jede Woche. Havergoy tho Welpemtruppe, sein Gut gehört den Gobbelen zu Horn und gibt ihnen alle Jahre 6 Molt Korn, seine Frau ist frei, er gehört m.g.H.. (Höfeverzeichnis des Amtes Oerlinghausen, 1528, Nr. 141, S. 15, Nr. 142, S. 5)

1535: Havergo, 5 Gulden (Landschatzregister 1535)

1609: Halbspänner Haverghoe, Frau, 1 Tochter, 3 kleinen Kindern, 1 Säugling, 2 Knechten, 1 Jungen, 1 Magd; Leibzüchter mit Frau und 1 kleinem Kind (Volkszählung 1609)

1642: Cordt Haverga, ein Halbspänner, ist sattelfrei, hat Saatland zu 2 Fuder Roggen, Eichen- und Buchenholz zur Mast für jeweils 5 Schweine, weder Wiese noch Teiche, drei Gebäude auf dem Hof, gelegentlich hält er Schafe, wenn die Nachbarn es zulassen, und gibt dafür der gnädigen Herrschaft jährlich ein Lamm (Salbucvh 1642)

1776: Ackerbauer Haverich. – EL: Garnspinner: Bernd Dierck, Christoph Hellweg u. Witwe Fillies (Volkszählung 1776)

1780: Haverich, ein Mittel-Halbmeier (ist personalfrei) (Salbuch 1780)

1835: Ökonom Haverich. – Einlieger: Tagelöhner Heinrich Hölter, Tagelöhner Heinrich Ostmann, Tagelöhner Christoph Beckmann, Tagelöhner Heinrich Haverich (Volkszählung 1835)

1901 Albrecht Haverich, Landwirth.[10]

1926 Albrecht Haverich, Landwirt; Wilhelm Haverich, Landwirt; Albert Kracht, Arbeiter; Wilhelm Hilker, Schuhmachermeister.[11]

Literatur

Roland Linde, Kachtenhausen. Eine lippische Ortsgeschichte einschließlich des Dorfes Wellentrup. Lage 2004.

Heinrich Stiewe, Fachwerk und Bruchstein. Historischer Hausbau in Wellentrup und Kachtenhausen, in: Roland Linde, Kachtenhausen, Lage 2004, S. 229-261.

Heinrich Stiewe, Die ältesten Bauernhäuser der Grafschaft Lippe. Neue Befunde zum ländlichen Hausbau des 16. Jahrhunderts (Berichte zur Haus- und Bauforschung, 4),Marburg 1995, S. 293-328.

Quellen

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Linde, Kachtenhausen 2004, S. 38f.
  2. Linde, Kachtenhausen 2004, S. 266ff.
  3. Linde, Kachtenhausen 2004, S. 39ff.
  4. Linde, Kachtenhausen 2004, S. 266ff.
  5. Der Brandschaden betrug 920 Taler; Aufstellung vom 3. Mai 1765 über Brandschäden in Lippe seit dem 11. November 1763. Stadtarchiv Blomberg, Altes Archiv III/D III a 1.
  6. Aufmaß von H. Stiewe 1987; vgl. Stiewe, Fachwerk und Bruchstein 2004, S. 243f.
  7. Aufmaß von H. Stiewe 1987; vgl. Stiewe, Fachwerk und Bruchstein 2004, S. 230f.
  8. Vgl. Stiewe, Fachwerk und Bruchstein 2004, S. 230f.; vgl. Stiewe, Bauernhäuser 1996, S. 306f.
  9. [Inschriften nach https://www.nhv-ahnenforschung.de/Torbogen/lippe.htm Hausinschriftensammlung des Genealogischen Arbeitskreises im NHV]
  10. Adressbuch für das Fürstenthum Lippe, Detmold 1901 Digitalisat
  11. Adreßbuch des Landes Lippe, Detmold 1926 Digitalisat

Autor*innen

Heinrich Stiewe, Wolfgang Kramer

Seitenhistorie

Seite erstellt am 15.06.2025 von Wolfgang Kramer

Letzte Änderung am: 31.07.2026 von Wolfgang Kramer