Flurstraße Jüdischer Friedhof (Lage)

Aus lippe-haeuser-wiki.de
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Flurstraße Jüdischer Friedhof (Lage)
OrtsteilLage (Kernstadt)
Karte
StraßeFlurstraße (Lage)

Der jüdische Friedhof befindet sich nicht weit von der Lemgoer Straße an der Westseite der Flurstraße (Flur 15, Nr. 73).

Geschichte

Bereits 1771 bestehend und damals von J. R. Heimbach im Messbuch des Fleckens Lage verzeichnet, aber wohl bedeutend älter, da ein fragmentarisch erhaltener Grabstein von 1715 stammt.[1] Der Friedhof wurde auch von den Juden aus Heiden benutzt. Auch sollen hier nicht mehr brauchbare Thorarollen bestattet worden sein.[2] 1861 berichtete der Gemeindevorsteher Salomon Jacob Paradies, seit vielen Jahren würden sowohl Verstorbene aus Lage als auch aus Heiden auf dem jüdischen Friedhof ‚Auf dem Maaßbruch‘ beerdigt. 1863 wurde der rund 2.950 qm große Friedhof vermessen und für 35 Taler von der jüdischen Gemeinde erworben. Die Kosten dafür und für die Umfriedung teilten sich die beiden Gemeinden. 1899 erfolgte der Eintrag ins Grundbuch als Parzelle 418. 1935 schändeten SS-Angehörige den Friedhof. Als 1938 die Synagogengemeinde Detmold den unteren Teil (Neunummerierung als Parzelle 2193) mit 1161 qm für 558,50 RM an den Nachbarn Gustav Sigges verkaufte, erhielt dieser die Auflage, die Grabsteine auf den oberen Teil (Parzelle 2192) umzusetzen und auf der Grenze eine Hecke zu pflanzen. Die Grabsteine waren bis 2012 verschollen. 1941 kaufte die Stadt Lage die Parzelle 2192/418 mit 1.789 m für 536,70 RM, um eine Umgehungsstraße auszubauen. Während des Zweiten Weltkriegs wurden hier auch sowjetische Kriegsgefangene (Zwangsarbeiter der Zuckerfabrik in Lage) beerdigt (nach dem Krieg umgebettet).1952 musste die Stadt Lage den oberen Teil des jüdischen Friedhofs an den Jewish Trust Corporation in London restituieren, von dem er an den ‚Landesverbandes der Jüdischen Kultusgemeinden von Westfalen-Lippe‘ ging. Gepflegt wird er von der Stadt Lage. 1988 wurden zahlreiche Grabsteine umgeworfen und teilweise auch zerstört. Am 2.6.1992 als Baudenkmal in die Denkmalliste der Stadt Lage eingetragen, Nr. 59. 1994 wurde ein Denkmal eingeweiht. 1998 wurde der untere westliche Teil des Geländes verkauft. Eine Bürgerinitiative konnte 2001 die Bebauung verhindern. 2003 wurde dieser Teil ebenfalls in die Denkmalliste aufgenommen und der Friedhof mit den 98 Grabmale vom ‚Salomon-Ludwig-Steinheim-Institut‘ fotografiert und dokumentiert. 2012 konnten schließlich die 1938 vergrabenen alten Grabsteine geborgen, teilweise restauriert und wieder aufgestellt werden. Die nur fragmentarisch erhaltenen Steine wurden in eine Gedenkmauer auf dem Friedhof eingefügt.[3]

Beschreibung

Jüdischer Friedhof Lage, Foto: Tsungam, 2014

Gut 3.000 qm groß, mit einer Hecke eingefriedet. 98 Grabsteine, davon getrennt die 5 Grabsteine der Familie Hamlet aus Heiden.[4] .[5]

Eigentümer*innen

Der Friedhof war seit 1863 gemeinsames Eigentum der jüdischen Gemeinden Lage und Heiden.

bis 1938 war die Synagogengemeinde Detmold Eigentümerin.

1938 Teilverkauf an Gustav Sigges, Restverkauf 1941 an Stadt Lage.

1952 Restituierung an die Jewish Trust Corporation.

jetzt Landesverbandes der Jüdischen Kultusgemeinden von Westfalen-Lippe.

Literatur

Volker Beckmann, Ortsartikel Lage, in Karl Hengst, Ursula Olschewski (Hg.), Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe. Die Ortschaften und Territorien im heutigen Regierungsbezirk Detmold, Münster 2013, S. 479-486, hier S. 472.

Margarete Wißmann, Wieder ans Licht geholt. Grabungen auf dem jüdischen Friedhof in Lage, in: Historisches Jahrbuch für Lage, Lage 2013, S. 87-102.

Wolfgang Deppe, Verkauft und vergessen. Zur Geschichte des jüdischen Friedhofs in Lage, in: Historisches Jahrbuch für Lage, Lage 2004, S. 6-17.

Martin Hankemeier, Zur Geschichte der Juden in Lage. Eine Materialsammlung (Panu Derech - Bereitet den Weg. Schriften der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Lippe e.V.; 12), 2. veränderte und erheblich erweiterte Auflage, Detmold 2003.

Elfi Pracht, Jüdisches Kulturerbe in Nordrhein-Westfalen. Teil III: Regierungsbezirk Detmold (Beiträge zu den Bau- und Kunstdenkmälern von Westfalen; 1.1), Köln 1998, S. 323 f.

Quellen

Weblinks

Epidat-Datenbank des Steinheim-Instituts

Einzelnachweise

Autor*innen

  1. Epidat-Datenbank des Steinheim-Instituts.
  2. Elfi Pracht, Jüdisches Kulturerbe in Nordrhein-Westfalen. Teil III: Regierungsbezirk Detmold (Beiträge zu den Bau- und Kunstdenkmälern von Westfalen; 1.1), Köln 1998, S. 323 f.
  3. Epidat-Datenbank des Steinheim-Instituts.
  4. Elfi Pracht, Jüdisches Kulturerbe in Nordrhein-Westfalen. Teil III: Regierungsbezirk Detmold (Beiträge zu den Bau- und Kunstdenkmälern von Westfalen; 1.1), Köln 1998, S. 320.
  5. Epidat-Datenbank des Steinheim-Instituts.


Joachim Kleinmanns

Seitenhistorie

Seite erstellt am 30.06.2026 von Joachim Kleinmanns

Letzte Änderung am: 30.06.2026 von Joachim Kleinmanns