Oberschönhagen

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Oberschönhagen
GroßgemeindeDetmold
Karte

Oberschönhagen ist ein Ortsteil der Stadt Detmold.

Lage

Oberschönhagen um 1800, Kartenausschnitt. Carte vom Fürstenthum Lippe um 1800
Archive NRW Karten A 11725
Oberschönhagen, Übersichtskarte von 1880
Oberschönhagen, topographische Karte von 1912
Oberschönhagen, Liegenschaftskarte von 2025
Oberschönhagen, topographische Karte von 2016
Oberschönhagen, Flächennutzungsplan von 2015
Oberschönhagen, geplante Windräder. Lageplan: Stadt Detmold

Oberschönhagen liegt am östlichen Stadtrand von Detmold und grenzt an die Nachbargemeinden Blomberg (Brüntrup) und Horn-Bad Meinberg (Fissenknick). Nach der LWL.GeodatenKultur befindet sich Oberschönhagen im regional bedeutsamen Kulturlandschaftsbereich K 08.22 Leistruper Wald mit Oberschönhagen.

  • Breitengrad = 51°55'N
  • Längengrad = 08°58'O
  • Bundesland = DE-NRW
  • Höhen: (aus Google earth pro)
  • = 179 m üNN (Dorla nördliche Ortsgrenze zu Niederschönhagen)
  • = 267 m üNN (Homberg)
  • = 280 Moerholz
  • = 295 m üNN (Waldrand Nähe des Opfersteins)
  • Fläche = 4,12 km²
  • Postleitzahl = 32760
  • Telefon-Vorwahl = 05231

Flächennutzung, Stand 2005:

  • Fläche - ha - in %
  • Gebäude = 19,088 = 4,6 (einschl. Hof und Hausgärten)
  • Verkehr = 8,859 = 2,1
  • Erholung = 0,357 = 0,1
  • Acker = 234,280 = 56,9
  • Grünland = 22,723 = 5,5
  • Wald = 124,212 = 30,2
  • Wasser = 2,595 = 0,6
  • Sonstige = 0,079 = 0,0

________________________________________

  • Fläche gesamt = 412,15 ha = 100,0

Verwaltungszugehörigkeit

Die ehemals eigenständige Gemeinde Oberschönhagen ist mit der Gemeindereform am 1. Januar 1970 neu strukturiert worden. Die ehemaligen Wohnplätze Fissenknick und Hülsen wurden abgetrennt, Fissenknick wurde der Stadt Horn-Bad Meinberg zugeordnet, Hülsen dem Detmolder Ortsteil Diestelbruch. Der Ortsteil Oberschönhagen gehört seither zu Detmold. Bis dahin hatten alle Ortsteile eigene Bürgermeister mit eigenen Finanzhaushalten und Gemeinderäten.

Geschichte

Im Landschatzregister von 1390 wird Oberschönhagen zusammen mit Niederschönhagen als Schonhagen im Kespell Dehtmoldt genannt.[1]

Im ältesten Schatzregister von ca. 1390 werden „in dem Sconenhaghen“ 11 Kolonate, „in dem Rosendale“ 13 aufgeführt. Rosendahl war ein Ortsteil von Schönhagen. In der Eversteiner Fehde wurde nach dem Schadensverzeichnis von ca. 1409 in beiden Ortsteilen u.a. up dem kerkhove tom Schonenhaghen und up dem kerkhove to Hunynchusen Schaden angerichtet. Mit den hier genannten "Kirchhöfen" sind vermutlich früheer Kapellenstandorte gemeint. Auf einen älteren -hausen-Ort Hunynchusen als älteren, frühmittelalterlichen Siedlungskern von Oberschönhagen könnte der Hof Hünkemeier, Oberschönhagen Nr. 4, verweisen.[2] Auch mit Huinchusen, das bereits im Güterverzeichnis des Corveyer Abts Erkenbert (1106-1129) erwähnt wird, könnte vielleicht ebenfalls diese ältere Vorgängersiedlung gemeint sein. Doch spricht einiges für eine gleichnamige Wüstung beim Hünkergrund (Wörderfeld, jetzt Stadt Lügde).

Im Jahr 1352 verpfändete Otto, Edelherr zur Lippe, seinen Zehnten zu Schonenhaghene im Kirchspiel Detmold an den Knappen Hermann de Wendt. Im gleichen Jahr verpfändete Bernhard V. den Zehnten zu Mederkesborn, das 1394 in einem Kuhgeldregister als to dem Eyderkesborne bezeichnet wird, an Konrad von Bega. Es handelt sich um die Höfe Oberschönhagen Nr. 1 und Nr. 9, die ab 1516 nicht mehr zu Brüntrup, sondern zur Bauerschaft Oberschönhagen gerechnet werden, weil der Meier zu Eveskeborn - wie er beim Verkauf der Burg und des Hauses Horn mit Zubehör an Rave Westphal im Jahre 1516 genannt wird – zusammen mit dem Hof Heidenreich von Simon V. für die Burg Detmold vorbehalten wird. Kirchlich gehörten die Höfe damals schon weiterhin zu Cappel.

Die heute noch im östlichen Bereich des Waldgrundstücks des Hofes Bad Meinberger Strasse 170 vorhandenen zwei Hügelgräber und drei weitere im Leistruper Wald lassen darauf schliessen, dass die ersten Besiedlungen des Dorlatales bereits während der Bronzezeit, also ca. 450 bis 700 v.Chr., erfolgten; eine genaue Datierung ist nicht möglich.

Die Namen der Hofbesitzer wurden erstmals um 1600 mit Vornamen und Hausnummern genannt.

Während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) erfolgten Plünderungen durch sog. „abgöttische schwedische Reutter“. 1652 lagen nach dem Dreißigjährigen Krieg 7 Hofstätten wüst: 1 Vollspänner, 5 Hoppenplöcker, sowie eine weitere kleinere Stätte.

Nach 1650 wurden die „Meier- oder Hägerrechte“ neu geregelt und die Einordnung in Vollspänner und Halbspänner geschaffen. Zu der Zeit erfolgte auch eine stärkere Besiedlung von Fissenknick und Hülsen. Es entstanden Streusiedlungen durch Aufteilung unter den hudeberechtigten Bauern und Köttern und Leibzuchten. Kleinere Flächen wurden an Neusiedler verkauft, darauf entstanden zahlreiche Zieglerhäuser.

In Oberschönhagen gehörten acht Höfe zum Kirchspiel Detmold und zwei zum Kirchspiel Cappel.

Als älteste Gebäude sind dokumentiert:

  • 1737 Leibzucht Reineke
  • 1756 Leibzucht Dickewied
  • 1765 Haupthaus Hunkemeier

Die Hausnummern wurden erst am 13. Mai 1766 („Verordnung wegen Nummerierung der Häuser von 1766“) unter Graf Simon August zur Lippe vergeben. Die Reihenfolge der Nummerierung richtete sich nach der Höhe des Steueraufkommens, also der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Höfe.

Am 17. April 1768 erließ Graf Simon August zur Lippe eine weitere „Verordnung wegen der Gebäude auf dem Lande“, die wegen des Brandschutzes vorgab, dass die bei „Errichtung neuer Gebäude hinkünftig die Wohnhäuser von den Scheunen und Fruchthäusern gänzlich abgesondert und so angelegt werden sollen, dass der Hausmann aus seiner Wohnung alles überschauen kann“. Die Gründe (Sockelschwellen) an den Häusern und Scheunen mussten einige Fuss hoch untermauert werden, um sie vor Fäulnis zu bewahren. Auch mussten die Hauseigentümer der 1752 gegründeten "Brand-Assecurations-Kasse" beitreten.

Im Salbuch von 1782 werden insgesamt 36 Kolonate aufgeführt: 4 Halbmeier, 1 Grosskötter, 5 Mittelkötter, 26 Hoppenplöcker und Strassenkötter. An nichtlandwirtschaftlichen Tätigkeiten werden 1776 genannt: 1 preußischer Soldat, 1 Ziegelmeister, 1 Holzknecht, 4 Personen betteln, 15 spinnen. Als Ehrenämter gab es den Bürgermeister und den Bauerrichter (Polizeidiener).

Schliesslich wurde am 27. Dezember 1808 von Fürstin Pauline die „Verordnung zur Aufhebung des Leib- und Guts-Eigenthums betreffend“ verabschiedet. Daraus ergab sich, dass „alle Unterthanen. die sich bisher in Herrschaftlichem Leibeigenthum bzw. auch Colonaten befanden, zum ersten des nächsten Jahres daraus entlassen werden“. Die auf den Gütern befindlichen verschiedenen Verbindlichkeiten zu Spann- oder Handdiensten, Zins und Pachtgefällen, und anderen Geld- und Naturalabgaben blieben allerdings unverändert. Durch die Bauernbefreiung zwischen 1810 bis 1850 erfolgte die Ablösung der Hand- und Spanndienste für das fürstliche Domanium in Detmold und der Huderechte.

Im Jahr 1828 liess der damalige Landesherr eine Volkszählung – auch Census genannt – durchführen, um sich eine Übersicht über die Anzahl der Untertanen und deren Lebensverhältnisse in den verschiedenen Bauerschaften zu verschaffen. Es wurden alle Wohnstätten, die Anzahl der darauf befindlichen Wohnhäuser, die Anzahl der Menschen auf diesen Stätten, unterteilt in Erwachsene, Ehepaare und deren Kinder erfasst. Ferner auch die auf dem Altenteil der Hofstätten, auch Colonate genannt, lebenden Leibzüchter und die als Mieter auf den Höfen lebenden Einlieger.

Eine Bauerschaft, auch Einwohnerschaft, entspricht als kleinste Verwaltungseinheit des Landes den späteren Gemeinden. Innerhalb einer Bauerschaft erfolgte die Volkszählung nach der Reihenfolge der Colonatsnummern, die für Lippe erst im Jahr 1766 festgeschrieben wurden. Sie behielten in der Regel ihre Gültigkeit bis zum Zeitpunkt der Einführung von Strassennamen im 20. Jahrhundert. Die Vergabe der Hausnummern erfolgte für die nach 1766 entstandenen Colonate in der Reihenfolge deren Gründungen.

Im 20. Jahrhundert sind die folgenden Gebäude abgebrannt:

  • 1903 Hof Meier, Bad Meinberger Str. 120
  • 1906 Hof Vietmeier, Bad Meinberger Str. 152
  • 1950 Hof Görder, Bad Meinberger.Str. 140
  • 1954 Leibzucht Reineke, Bad Meinberger Str. 154a

Alle Gebäude wurden wieder aufgebaut, die Höfe Bad Meinberger Straße 120, 140 und 152 wurden in massiver Bruchstenbauweise neu erbaut. Nach den genannten Bränden wurde die Dorla auf dem damaligen Flurstück 109 (Vietmeier) durch eine Betonmauer angestaut für eine Löschwasser-Nutzung. Die Zufahrt erfolgte über den Weg zum Hof Bad Meinberger Str. 160. Löschwasser musste nie entnommen werden. Die zugefrorene Teichfläche wurde danach im Winter von den Dorfkindern zum Schlittschuhlaufen genutzt. Heute ist der Teich sehr stark verlandet.

Oberschönhagen gehört zu der am 30. April 1913 gegründeten ev.-ref. Kirchengemeinde Vahlhausen. Die neu gebaute Kirche wurde am 10. Dezember 1915 eingeweiht (Chronik der Kirchengemeinde Vahlhausen).

Die Hofeigentümer Meier und Mischer bauten im Jahr 1919 einen privaten Friedhof auf dem Hofgelände Meier.

Im Jahr 1943 stürzte in der Wiese Brokamp, Bad Meinberger Strasse 168, ein kleines britisches Militärflugzeug ab. Der Pilot konnte sich mit dem Fallschirm retten. Über seinen Verbleib ist nichts bekannt. Spätere Sondenuntersuchungen des britischen Militärs waren erfolglos. Ergänzung dazu: Es war wohl kein britisches Flugzeug, sondern ein US-amerikanisches. Das geht aus einer sog. "Creyd-Liste" über US-amerikanische Flugzeugabstürze im Weser- und Leinebergland hervor. Darin steht: Datum: 26.11.1944; Flugzeugtyp: B-17 G; Kenn-Nr 42-97740 MACR 11146; Einheit: 398. BG 600. BS.; Ziel Hannover-Misburg; Absturzort: Oberschönhagen; keine Toten, 10 Überlebende. Eine genaue Ortsangabe fehlt.

Die Vertiefung wurde bei Schnee von den Kindern als "Skipiste" zum "Slalomfahren" genutzt; seit längerem ist sie eingeebnet.

Nördlich der Zuwegung zum Hof Bad Meinberger Str. 152 in der Waldböschung östlich der Dorla befanden sich bis ca. 1980 zwei Höhlen-Unterstände, deren Eingänge mit Holzstämmen befestigt waren. Sie wurden vom damaligen Hofbesitzer Vietmeier zu Beginn des Zweiten Weltkrieges hergestellt, um sich darin bei Gefahr zu verstecken. Die Eingänge verfielen immer mehr und sind seit vielen Jahren vollständig verschwunden.

Die Elektrizität kam für einige Höfe ca. 1921/1946 mit Freileitungen. Bis ca. 1960 hatten nur wenige Gehöfte einen Telefonanschluss. Einen öffentlichen Fernsprecher gab es beim damaligen Bürgermeister Wilhelm Meierjohann, Bad Meinberger Str. 160. Ab dem Jahr 1964 gehörte Oberschönhagen zur Verwaltungsgemeinschaft „Amt Detmold Land“.

Der Bau der Wasserleitung erfolgte im Jahr 1958. Bis dahin wurde Trinkwasser aus gemauerten Brunnen entnommen. Wasser für sonstige Zwecke entnahm man der Dorla. Ein Tiefbrunnen aus dem Jahr 1986 ist an der Bad Meinberger Strasse gegenüber der Zuwegung zu den Grundstücken Nr. 158 und 160 vorhanden und in Betrieb. Dort befindet sich auch eine Elektro-Umspannstation mit einem Schild des damaligen Versorgers "Elektrizitätswerk Wesertal".

Eine öffentliche Kanalisation ist bis heute nicht vorhanden. Die Abwässer werden seit ca. 1960 in Mehrkammer-Kläranlagen gereinigt und dann in die Dorla abgeleitet. Bis ca. 1980 waren überwiegend Dunggruben vorhanden. Die Jauche wurde auf die Felder und Gärten ausgebracht und untergepflügt/-gegraben. Die anderen Abwässer (Küche usw.) versickerten auf den Grundstücken. Seit dem Jahr 2010 müssen die Abwässer in mechanischen Mehrkammer-Kläranlagen gereinigt und das gereinigte Wasser in die Dorla geleitet werden.

Eine Gaststätte, Einkaufsmöglichkeit oder Gemeinschaftsräume waren bzw. sind bis heute nicht vorhanden. Nur in Fissenknick gab es bis Ende der 1960er Jahre einen Kolonialwarenladen (sog. Tante-Emma-Laden) mitten im Dorf. Zwischen den Jahren 1950 bis ca. 1955 kamen der Bäcker Buschmann aus Bad Meinberg und Beermann aus Diestelbruch mit Pferd und Wagen ins Dorf und verkaufte Brote und andere Backwaren. Danach noch einige Jahre mit einem Verkaufswagen.

Eine Schule gab es nicht, die Kinder mussten bis ca. 1940 die Schule in der heutigen "Neue Reihe Nr. 6" in Diestelbruch-Hülsen besuchen.

Ehemaliges Schulhaus in Diestlbruch-Hülsen, Neue Reihe 6

Die Windmühle in Fissenknick 1847 vom Bauern Jochen Bernd Dickewied aus Oberschönhagen (Nr. 20) erbaut. Die Windmühle brannte im Jahre 1901 vollständig ab. 1925 erwarben Mitglieder des Kur- und Verkehrsvereins die Ruine, restaurierten sie und richteten einen Aussichtsturm sowie ein Restaurant der gehobenen Preiskategorie ein. Die wiedererrichtete Mühle wurde dem Bad geschenkt.

Stumpf der Windmühlen von 1847 in Fissenknick, 1964

Nach Angabe der heutigen Geschäftsführerin des Reitvereins Bad Meinberg an den Autor fanden in den Jahren 1928 bis 1939 und nach Neugründung von 1948 bis 1967 bei der Windmühle in Fisseknick auf den zum Hof Bad Meiberger Str. 170 gehörenden Grasflächen etwa 30 überregionale Reitturniere (Springen, Dressur und Fahrprüfungen) des Zucht,- Reit- und Fahrvereins Bad Meinberg statt.

Viele Pferde und Reiter waren dazu vorübergehend auf den Höfen in Oberschönhagen, Fissenknick usw. untergebracht. In der Dressur startete die damals sehr erfolgreiche Frau Vrony Meier-Johann aus Lenstrup. Bei den Springturnieren hatten Schüler und Jugendliche die Möglichkeit, durch wiederauflegen der abgeworfenen "Barren" sich zum kostenlosen Eintritt etwas Taschengeld zu verdienen. Seit 1968 finden die Turniere des Reitervereins im Waldstadion in Bad Meinberg statt.

Im August 2025 wurde die Dorfgemeinschaft darüber informiert, dass die "WNE Westfälisch-Niedersächsische Energie Gesellschaft" auf dem östlichen Grundstück am „Langer Berg“ eine Windenergieanlage WEA 01 errichten will. Zwei weitere seien nebenan auf den zu Brüntrup und Wehren gehörenden Grundstücken geplant. Alle drei Anlagen liegen innerhalb des ausgewiesenen rechtskräftigen Windernergiegebietes. Ein Lageplan-Ausschnitt mit Darstellung der Anlagen ist beigefügt. Die geplante Anlage würde sich ca. 500 m östlich der Dorla befinden. Windgeräusche dürften nicht zu hören sein wegen der dazwischen befindlichen Wiesen und Wälder. Auch von Schlagschatten wird keines der Häuser in Oberschönhagen betroffen sein.

Siedlungscharakteristik

Oberschönhagen bildet zusammen mit Niederschönhagen eine in nord-südlicher Richtung verlaufende Waldhufensiedlung mit Hagenrecht an der Dorla, einem kleinen Fließgewässer, das ab Mosebeck in die Passade übergeht. Waldhufensiedlungen sind planmäßig angelegte Rodungssiedlung aus dem 12. und 13. Jahrhundert. Die Höfe von Nieder- und Oberschönhagen liegen in einer Reihe links und rechts des Bachlaufs der Dorla, die zugehörigen Hufen (Ackerfluren) erstrecken sich in breiten Streifen in west-östlicher Richtung. Das Hagenrecht bedeutete, die Besitzer der gerodeten und "eingehegten" (mit Hecken eingefriedeten) Hufen waren "hagenfrei" und unterstanden einer eigenen Hagengerichtsbarkeit.

Die Dorla entspringt im Moerholz im Süden Oberschönhagens und fließt von dort aus in nördliche Richtung durch das Tal in Ober- und Niederschönhagen. In Mosebeck fliesst sie mit der Mosebecke zusammen und heißt ab dort Passade. Sie mündet schließlich bei Brake in die Bega. Das Quellgebiet der Dorla umfasst eine Fläche von ca. 10,6 ha. Nach wenigen Kilometern münden ein namenloser Bach von links und danach der Homberg-, Hagen- und Sassenbach in die Dorla. Auf der gesamten Fließstrecke ist die Dorla in die Gewässergüteklasse II (Wasserschaftsschutzgebiet) eingeordnet, d.h. sie ist mäßig verschmutzt. Wiesen und Auen im gesamten Tal entlang der Dorla und östliche Wälder usw. sind Natur- und Landschaftsschutzgebiete.

Die Gemeinheit (gemeinschaftliche Hudefläche) auf dem Fissenknicker Anger mit einer Fläche von etwa 66,5 Scheffelsaat wurde 1864 aufgeteilt. 1 Schfeffelsaat entspricht 1.717 qm.

In Oberschönhagen sind noch viele gut erhaltene bzw. sanierte Fachwerkbauten aus dem 18. und 19. Jahrhundert vorhanden. Nur wenige Häuser sind unbewohnt. In der Denkmalliste der Stadt Detmold waren im September 2024 die folgenden Baudenkmäler eingetragen:

  • 2 Fachwerkhäuser, Bad Meinberger Str. 152a und 154a
  • 2 Fachwerkbauernhäuser, Bad Meinberger Str. 154 und 158
  • 1 Hofanlage, Bad Meinberger Str. 170
  • 1 Hofanlage mit 8 Objekten,Bad Meinberger Str. 120
  • 1 Bauernhaus mit Backhaus (ohne östliche Anbauten), Bad Meinberger Str. 130

Pläne, Ortsansichten

Ortsname

Im Jahr 1352 erschien der Name Oberschönhagen mit 10 Höfen erstmals in alten „Steuerregesten“ (Abgaben-/Steuerbüchern) – damals als „tom Rodedale“ (vom gerodeten Tal). Darin angegeben waren: Anzahl Personen und Viehbestand, Größen der Ackerflächen (genannt Fudersaat), des Grünlandes (genannt Wiesewachs), der Schulden, Außenstände, vergebene Darlehn, Steuern für Barleistungen, Naturalabgaben, Hand- und Spanndienste.

Bevölkerung

Am 1. Dezember 1871 wurde ein „Ortschafts-Verzeichnis des Fürstenthums Lippe" veröffentlicht. Es war geordnet und aufgestellt „nach der politischen Eintheilung“ nebst Angabe der Zahl der Wohnhäuser, Haushaltungen und Einwohner auf Grund der Volkszählung vom 1. Dezember 1871. Herausgegeben wurde es von der Meyer’schen Hofbuchdruckerei (Gebr. Klingenberg) im Jahr 1875. Darin ist unter der Nr. 42 der politischen Gemeinde die „Bauerschaft Oberschönhagen“ mit den Wohnplätzen Fissenknick, Hülsen und Oberschönhagen aufgeführt; für das Dorf Oberschönhagen: 17 Häuser mit 16 Haushaltungen und 127 Bewohner.

1895 hatte die Bauerschat Oberschönhagen 357 Einwohner; [3] davon lebten auf den Wohnplätzen:

  • Fissenknick (82 Einwohner),
  • Hülsen (102 Einwohner),
  • Krähenbruch (14 Einwohner)
  • Oberschönhagen (159 Einwohner).

Der Ortsteil Krähenbruch gehört seit 1926 zu Fissenknick.[4]

Zum Stichtag 23. Nov. 2025 hat Oberschönhagen folgende Einwohner:

  • 44 Erwachsene mit Hauptwohnsitz,
  • 18 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren.

Nur der Hof Bad Meinberger Str. 140 wird bis heute im Vollerwerb bewirtschaftet, alle anderen Höfe und Ländereien bzw. Wälder sind verkauft bzw. verpachtet.

Ein Ereignis von besonderer Bedeutung für die Dorfbewohner ist das Dorffest. Es gibt keinen Verein, keine Geschäfte, öffentliche Einrichtungen oder ein Dorfgemeinschaftshaus im Dorf, dafür aber das Dorffest. Zu verdanken haben die Oberschönhagener das dem WDR. Der kam 1998 ins Dorf, um es für die Sendung „Dorfplatz Schlag 10“ vorzustellen. Da wurden damals Dörfer mit weniger als 500 Einwohnern gezeigt. Zufällig wurde auch Oberschönhagen ausgewählt. Für die Einwohner bedeutete das, sie mussten sich zusammensetzen und planen, was sie dem Fernsehteam denn zeigen möchten. Diese Gemeinschaft hatte allen gut gefallen. Seitdem feiert Oberschönhagen jedes Jahr am letzten Schulferien-Sonntag auf dem damaligen Hof Meierjohann, Bad Meinberger Str. 160, sein Dorffest, also erstmals 1998. Auch wurde an dem Tag das 666-jährige Bestehen des Dorfes in vertrauter Runde gemeinsam gefeiert. Inzwischen findet auch an einem Sonntag im Dezember, häufig der 3. Advent, eine Weihnachtsfeier auf der Deele des Hofes Bad Meinberger Str. 170 statt.

Hausstätten

Verkehrswege

Mergelwand Bad Meinberger Straße 160, 2020, Foto: Wilfried Funke

Außer der Bad Meinberger Straße sind asphaltierte Wege, einige als mit Bäumen bepflanzte Alleen, zu den Hofanlagen vorhanden. Die Wege zu den landwirtschaftlichen bzw. Waldflächen sind geschottert bzw. naturbelassen. An mehreren Stellen sind im Gelände Mergelkuhlen vorhanden, aus denen Mergel zur Bodenverbesserung der Felder und für den Wegebau abgebaut wurde. Eine Straßen- oder Wegebeleuchtung ist nicht vorhanden. Die erste Buslinie Detmold-Oberschönhagen-Bad Meinberg fuhr erstmals im Jahr 1953 durchs Dorf. Aktuell gibt es fünf Haltestellen.

Straßen

Bad Meinberger Straße
Um 1850 wurde die Meinberger Chaussee als Schotterstraße ausgebaut. 1954 wurde sie asphaltiert und schlißlich 1965 als Kreisstraße K 92 ausgebaut. Im Herbst des Jahres 2025 wurde mit dem Bau eines Fahrradweges von der Strassenkreuzung Dorla-/Bad Meinberger Strasse bis zum Ortseingang von Fissenknick begonnen. Der Zeitpunkt der Fertigstellung ist noch nicht absehbar.

Literatur

  • Koch, Ingeborg: Die Siedlungsstruktur von Ober- und Niederschönhagen im Lipperland, 1963,Mskr- (StAD)
  • Wiemann, August: Nieder- und Oberschönhagen - eine Tal- und Reihensiedlung. In: Lippische Blätter für Heimatkunde, Nr. 11 (1950)
  • Detmolder Landfrauen erzählen, Detmold 1986
  • Herbert Stöwer, Lippische Ortsgeschichte. Handbuch der Städte und Gemeinden des ehemaligen Kreises Detmold, Lemgo: Landesverband Lippe, 2008.

Quellen

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Die lippischen Landschatzregister von 1590 und 1618, Seite 1
  2. http://lippelex.de/index.php?title=Detmold-Oberschönhagen
  3. Adressbuch für das Fürstenthum Lippe, Detmold 1901 Digitalisat
  4. Adreßbuch des Landes Lippe, Detmold 1926 Digitalisat
  4. Beschreibung des Herrn Herbert Stöwer vom 1. Oktober 2024, http://lippelex.de/index.php?title=Detmold-Oberschönhagen&oldid=19346

Autor*innen

Wilfried Funke, Wolfgang Kramer

Seitenhistorie

Seite erstellt am 12.08.2025 von Wolfgang Kramer

Letzte Änderung am: 30.07.2026 von Wilfried Funke