Marktstraße 6 (Heiden)

Aus lippe-haeuser-wiki.de
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Marktstraße 6 (Heiden)
OrtsteilHeiden
StraßeMarktstraße (Heiden)
Hausnummer6
Karte
Adressbuch von 1901Ja
GemeindeHeiden
Hausnummer003

Die Stätte hatte ehemals die Nr. 3 in Heiden.

Geschichte

Der ehemalige Hof des Meiers zu Heiden, die Hausstätte Marktstraße 6 / vor 1970 Marktstraße 2 / Heiden Nr. 3 gehörte zu den ersten Siedlerstellen in Heiden, zu den vier Urhöfen, mit denen vor mehr als 1000 Jahren eine dauerhafte Siedlungsentwicklung in der Gemarkung Heiden begann. Im Verlauf der danach folgenden Siedlungsphase des Dorfes, die gekennzeichnet war durch die Gründung der Kirche (nach den Ergebnissen von archäologischen Grabungen zwischen 950 und 1025) wurde der Meierhof zu Heiden Nr. 3 zu einem für die weitere Entwicklung des Dorfes Heiden entscheidenden Siedlungselement. [1]

Marktstraße 6 in Heiden, Postkarte von 1937

In den folgenden Jahrhunderten entstand um die Kirche und den Meierhof Heiden herum mit weiteren Ansiedlungen ein kleiner Weiler, wobei der Meierhof der größte Hof des eigentlichen Dorfes blieb. Er war im Besitz von Flächen auf dem gesamten Lössriedel westlich des Weges nach Heßloh sowie von Flächen auf der Kassebrede und auf der Lake. [2]

1781 wurde Meier, Heiden Nr. 3, im Salbuch noch als Mittel-Vollmeier klassifiziert,[3]. 1829 nur noch als Mittelkötter.[4] Der Hof war der Landesherrschaft leibeigen, entrichtete Sterbfall und Weinkauf.

Zu Anfang des 19. Jahrhundert war der Meier zu Heiden hoch verschuldet und begann, seine Flächen u.a. auf dem Lößriedel zu verkaufen, worauf dort aus den ehemals zusammenhängenden Ackerflächen ein zersplitterter Kleinbesitz entstand. In der Mitte des 19. Jahrh. wurde der Kommerziant Dreyer Eigentümer des Hofes Nr. 3. Dreyer betriebt um 1850 auf der Grünfläche zwischen dem heutigen Freibad und der Heßloher Straße vorübergehend eine Ziegelei, mit geringem Erfolg. 1874 heiratete die Witwe Dreyer den Gastwirt Heinrich Führing, der auf dem Hof Nr. 3 bereits eine Gastwirtschaft betrieb. [5] In den 1920-er Jahren wurde der Gastwirt August Altrogge durch Heirat Eigentümer des Hofes. Im Jahre 1968 hatte der Hof Altrogge 90 % seiner Flächen verpachtet. [6]

Anzeige im Adressbuch 1901

Durch den wirtschaftlichen Niedergang des Hofes Meier Nr. 3 entstanden in Heiden schon im 19. Jahrh. bis 1881 zehn neue Siedlerstätten, ein positiver Effekt für das Dorf. Diese Entwicklung setzte sich auch im 20. Jahrhundert fort. In den 1980-er Jahren entstand auf den Flächen des ehemaligen Hofes Nr. 3, die zwischen dem Freibad und Sportplatz in Heiden lagen, gemäß einem Bebauungsplan der Stadt Lage an der Sudetenstraße, Pommernstraße und Ostpreußenstraße eine neue Siedlung mit ca. 35 Wohnhäusern.

Gebäude

1781 waren lt. Salbuch vorhanden: Hof mit Obstbäumen, Wohnhaus, 1 altes Wohnhaus jetzt Leibzucht, Backhaus, Haferscheune, Wagenhaus, Kleinhaus.[7]. 1829 nur noch 1 Wohnhaus und 1 Schoppen.[8] 1855: Hofraum, Wohnhaus.


Die Hofstätte Heiden Nr. 3 lag mitten im Dorf, die Marktstraße teilte früher den Hof. Das Haupthaus des Hofes Nr. 3 sowie einzelne Nebengebäude sind im Urkatasterplan von 1883 als bestehend eingezeichnet. Das große Hauptgebäude bestand an der Südwestseite der Hofstelle, das Grundstück grenzte hangseitig an die frühere Judenstraße, heute Am Feuerborn. Das westlich des Hofes gelegene ehemalige Scheunengebäude ist heute ein Wohnhaus mit Gaststätte, Marktstraße 2, früher auch Nr. 66 in Heiden. Gegenüber des Haupthauses, nördlich der Marktstraße stand ein eingeschossiger Ziegelsteinbau mit Satteldach und metallenen Fenstern. An der Ostseite des Haupthauses stand eine große Stallscheune, die im Katasterplan von 1919 eingetragen ist an einer Stelle, an der zuvor ein älteres Gebäude, möglicherweise die Leibzucht bestanden hatte. [9] Der Bau der Scheune wird in die Zeit zwischen 1919 und 1935 einzuordnen sein. An ihrer Stelle wurden um 1990 die Wohnhäuser Marktstraße 8 und 8a errichtet.

Marktstraße 6. in Heiden, Foto Privat, ca. 1990

Das Haupthaus des Hofes Heiden Nr. 3, die ehemalige Gaststätte Altrogge war ursprünglich ein großes zweigeschossiges Fachwerkhaus. Um 1935 wurde das Gebäude durch Abbruch des nördlichen Gebäudeteiles verkleinert und umgebaut. Der zum Hof gelegene Gebäudeteil wurde nun in massiver Bauweise mit Walmdach errichtet.

Um 1990 wurde das Gebäude erneut weitgehend umgebaut und erweitert zu einem Mehrfamilienhaus. Ein Foto von ca. 1990 zeigt eine Gebäudeansicht mit Fassadendetails kurz vor dem Abbruch.

Inschriften

Eigentümer*innen, Bewohner*innen

  • 1432 ist der Meierhof zu Heiden im Besitz der Landesherrschaft, Otto zur Lippe, LR.1471
  • 1617 zieht Mathias de Wentt eine Kornpacht aus dem Meierhof ein. LR. 2275 [10]
  • 1568 im Landschatzregister von 1568 wird de Meger nach Avenhaus und Sültemeier als der 3. Hof auf der Liste genannt
  • 1728 auch bei Friemel ist der Meier zu Heiden der 3. Hof auf der Liste
  • 1855 im Salbuch zu Heiden Nr. 3 Meier wird in 1874 Führing, Heinrich eingetragen. [11]
  • 1901[12] Heinrich Führing, Gastwirth; Heinrich Führing, Kaufmann
  • 1926[13] Heinrich Führing, Gastwirt; Henriette Krüger, Witwe

Literatur

Quellen

LAV NRW OWL, L 101 C I Nr. 109: Salbuch Vogtei Heiden 1781 Digitalisat

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Hans Hüls: Heiden in Lippe, Zur Genese und Struktur eines dörflichen Lebensraumes. Im Auftrag der Stadt Lage herausgegeben vom Naturwissenschaftlichen und Historischen Verein für das Land Lippe. Detmold 1974. Gleichzeitig im Selbstverlag der Geographischen Komission für Westfalen erschienen. Online abrufbar S.102 f
  2. Hüls 1974 S.50 und Abb.38
  3. LAV NRW OWL, L 101 C I Nr. 109: Salbuch Vogtei Heiden 1781 Digitalisat
  4. LAV NRW OWL, L 101 C I Nr. 123: Salbuch Vogtei Heiden 1829 Digitalisat.
  5. Hüls 1974 S.140
  6. Hüls 1974 S.216
  7. LAV NRW OWL, L 101 C I Nr. 109: Salbuch Vogtei Heiden 1781 Digitalisat
  8. LAV NRW OWL, L 101 C I Nr. 123: Salbuch Vogtei Heiden 1829 Digitalisat.
  9. beide Katasterpläne: Kreis Lippe, Katasteramt
  10. Hüls 1974 S.116 unter Bezug auf Lippische Regesten
  11. LAV NRW OWL, L 101 C I Nr. 137: Salbuch Vogtei Heiden 1855 Digitalisat.
  12. Adressbuch für das Fürstenthum Lippe, Detmold 1901 Digitalisat
  13. Adreßbuch des Landes Lippe, Detmold 1926 Digitalisat

Autor*innen

Lothar Kaup, Joachim Kleinmanns

Seitenhistorie

Seite erstellt am 02.07.2025 von Wolfgang Kramer

Letzte Änderung am: 17.03.2026 von Lothar Kaup