Hiddentruper Straße 11-13 (Hörste): Unterschied zwischen den Versionen

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Auch sonst wird Abenteuerliches und Absonderliches von dem Hof Hanning in Hörste berichtet. Im Oktober 1715 eskaliert die Hochzeitsfeier des Anerben/jungen Kötters Hans Bartold Hanning: ''Ex officio wirdt angezeiget, als Hanning zu Hörste Hochzeit gehalten, daß nachgesetzte Hochzeitsgäste sich untereinander grausamb geschlagen, sogar daß einige auff den Todt gelegen, und mit Pistollen und Flinten in das Hauß geschoßen, dadurch gar leicht eine Feüers Brunst und großes Unglück hette entstehen können, ist also dießer Excehs zu bestraffen. Die Combattanten seÿn  .  .  .'' <ref>LAV NRW OWL, L 89 A Nr. 182, S. 266/267</ref>
Auch sonst wird Abenteuerliches und Absonderliches von dem Hof Hanning in Hörste berichtet. Im Oktober 1715 eskaliert die Hochzeitsfeier des Anerben/jungen Kötters Hans Bartold Hanning: ''Ex officio wirdt angezeiget, als Hanning zu Hörste Hochzeit gehalten, daß nachgesetzte Hochzeitsgäste sich untereinander grausamb geschlagen, sogar daß einige auff den Todt gelegen, und mit Pistollen und Flinten in das Hauß geschoßen, dadurch gar leicht eine Feüers Brunst und großes Unglück hette entstehen können, ist also dießer Excehs zu bestraffen. Die Combattanten seÿn  .  .  .'' <ref>LAV NRW OWL, L 89 A Nr. 182, S. 266/267</ref>
   
   
Eine Kriminalakte aus dem Jahre 1772 trägt den Titel: ''Acta von einen besonderen Vorfall wegen eines beÿ dem Coloni Hanning zu Hörste unter dem Dache eines alten Backhauses vorgefundenen ausgetrockneten Menschen Fußes''<ref>LAV NRW OWL, L 86 Nr. 1392 a</ref>  Es ist ein rechter Fuß, und alle Zehen sind noch dran. Verschiedene Verhöre werden angestellt, danach soll vor langer Zeit ''auf dem Colonate ein Mann gewohnet, der allerhand wunderliche Curen am Menschen und Vieh unternommen''  .  .  .  der Sachverhalt kann letztlich nicht aufgeklärt werden.
Eine Kriminalakte aus dem Jahre 1772 trägt den Titel: ''Acta von einen besonderen Vorfall wegen eines beÿ dem Coloni Hanning zu Hörste unter dem Dache eines alten Backhauses vorgefundenen ausgetrockneten Menschen Fußes'' <ref>LAV NRW OWL, L 86 Nr. 1392 a</ref>  Es ist ein rechter Fuß, und alle Zehen sind noch dran. Verschiedene Verhöre werden angestellt, danach soll vor langer Zeit ''auf dem Colonate ein Mann gewohnet, der allerhand wunderliche Curen am Menschen und Vieh unternommen''  .  .  .  der Sachverhalt kann letztlich nicht aufgeklärt werden.


Mit dem frühen Tod des jungen Kötters Töns Christoph Hanning (1795 – 1828) und seines einjährigen Sohnes stirbt die bis dahin auf dem Hof sitzende Familie 1828 aus; für den daraufhin einheiratenden Justus Franziskus Emilius Lüking aus Greste und auch seinen nachfolgenden Sohn August(us Franziskus) ist die emotionale Bindung an den Hof gemäß dem Motto „Ererbtes bewahren“ möglicherweise schwächer, so dass es 50 Jahre später zum Verkauf und damit zur „Zerschlagung“ des uralten Hofes Hanning kommen wird.
Mit dem frühen Tod des jungen Kötters Töns Christoph Hanning (1795 – 1828) und seines einjährigen Sohnes stirbt die bis dahin auf dem Hof sitzende Familie 1828 aus; für den daraufhin einheiratenden Justus Franziskus Emilius Lüking aus Greste und auch seinen nachfolgenden Sohn August(us Franziskus) ist die emotionale Bindung an den Hof gemäß dem Motto „Ererbtes bewahren“ möglicherweise schwächer, so dass es 50 Jahre später zum Verkauf und damit zur „Zerschlagung“ des uralten Hofes Hanning kommen wird.
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Tüchtige Leute im Ort  -  ob Besitzer anderer Stätten/Höfe oder häufig Einlieger mit der Berufsangabe Ziegelmeister  -  können jetzt ein passendes Stück Land für einen nicht überhöhten Preis erwerben. Vorhandene Stätten werden erweitert/verbessert, die Neuwohnerstätten Wendt Nr. 71, Meyer Nr. 72, Klarholz Nr. 73, Koch Nr. 74, Riesenberg Nr. 76 entstehen. Bei dieser Art des Verkaufs verbleibt natürlich zunächst ein Rest; diesen incl. des Haupthauses erwirbt die Besitzerin des Nachbarhofes, Witwe Colona Sophie Hilbrink, Hörste Nr. 7, im Mai 1876 für 8 500 Taler = 25 500 Mark.
Tüchtige Leute im Ort  -  ob Besitzer anderer Stätten/Höfe oder häufig Einlieger mit der Berufsangabe Ziegelmeister  -  können jetzt ein passendes Stück Land für einen nicht überhöhten Preis erwerben. Vorhandene Stätten werden erweitert/verbessert, die Neuwohnerstätten Wendt Nr. 71, Meyer Nr. 72, Klarholz Nr. 73, Koch Nr. 74, Riesenberg Nr. 76 entstehen. Bei dieser Art des Verkaufs verbleibt natürlich zunächst ein Rest; diesen incl. des Haupthauses erwirbt die Besitzerin des Nachbarhofes, Witwe Colona Sophie Hilbrink, Hörste Nr. 7, im Mai 1876 für 8 500 Taler = 25 500 Mark.


Das geht einige Jahre gut, dann wird im März 1882 ein neues Problem offenbar: ''Curatel für die Witwe Colona Hilbrink No. 6 und 7 zu Hoerste.''<ref>LAV NRW OWL, D 23 Detmold Nr. 1245</ref> In der Akte heißt es: ''Die Witwe Colona Hilbrink No 6 und 7 zu Hörste ist als Verschwenderin durch Beschluß von heute entmündigt und kann ohne Genehmigung der ihr als Curatoren bestellten Colonen  .  .  . keine Schulden mehr contrahieren.  .  .  .''
Das geht einige Jahre scheinbar gut, dann wird im März 1882 ein neues Problem offenbar: ''Curatel für die Witwe Colona Hilbrink No. 6 und 7 zu Hoerste.''<ref>LAV NRW OWL, D 23 Detmold Nr. 1245</ref> In der Akte heißt es: ''Die Witwe Colona Hilbrink No 6 und 7 zu Hörste ist als Verschwenderin durch Beschluß von heute entmündigt und kann ohne Genehmigung der ihr als Curatoren bestellten Colonen  .  .  . keine Schulden mehr contrahieren.  .  .  .''
    
    
Drei Monate später strebt man eine Lösung des Problems an; in der Landeszeitung wird ein öffentlicher Termin ''im Ostmannschen Kruge zu Hörste'' am Freitag, den 14. Juli 1882 bekannt gemacht: ''Die Kuratoren der Witwe Hilbrink Nr. 6 und 7 in Hörste beabsichtigen, das früher angekaufte Hanningsche Kolonat Nr. 6 daselbst, bestehend aus einem Wohnhause, taxiert zu 7600 M, einem Backhause zu 1300 Mark, nebst 72 Schffls. Ackerland, 26 Schffls. Heideboden u. ca. 8 Schffls. Holzbestand  .  .  .  meistbietend zu verkaufen.''
Drei Monate später strebt man eine Lösung des Problems an; in der Landeszeitung wird ein öffentlicher Termin ''im Ostmannschen Kruge zu Hörste'' am Freitag, den 14. Juli 1882 bekannt gemacht: ''Die Kuratoren der Witwe Hilbrink Nr. 6 und 7 in Hörste beabsichtigen, das früher angekaufte Hanningsche Kolonat Nr. 6 daselbst, bestehend aus einem Wohnhause, taxiert zu 7600 M, einem Backhause zu 1300 Mark, nebst 72 Schffls. Ackerland, 26 Schffls. Heideboden u. ca. 8 Schffls. Holzbestand  .  .  .  meistbietend zu verkaufen.''
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In diesem Termin erwirbt Isaak Hochfeld, Pferdehändler zu Lemgo und daneben häufiger in Immobiliengeschäften aktiv, das (ehemals Hanningsche) Kolonat Nr. 6. Hochfeld geht die weitere Filetierung des Besitzes systematisch an und verkauft im April 1883 Ackerflächen an die Colone Hanning Nr. 39, Hanning Nr. 48, Ostmann Nr. 14, Töns Wendt Nr. 21, Schulte Nr. 11 und Meier Nr. 41.<ref>LAV NRW OWL, D 23 Detmold Nr. 8239</ref>  Er findet bis Ende des Folgejahres auch Käufer für alle restlichen Teile des Hofes Hörste Nr. 6. Am 19. Dez. 1884 findet a. d. Schulteschen Colonate Hörste Nr. 11 ein weiterer Amtstermin statt<ref>LAV NRW OWL, D 23 Detmold Nr. 8249</ref>; hier werden verkauft
In diesem Termin erwirbt Isaak Hochfeld, Pferdehändler zu Lemgo und daneben häufiger in Immobiliengeschäften aktiv, das (ehemals Hanningsche) Kolonat Nr. 6. Hochfeld geht die weitere Filetierung des Besitzes systematisch an und verkauft im April 1883 Ackerflächen an die Colone Hanning Nr. 39, Hanning Nr. 48, Ostmann Nr. 14, Töns Wendt Nr. 21, Schulte Nr. 11 und Meier Nr. 41.<ref>LAV NRW OWL, D 23 Detmold Nr. 8239</ref>  Er findet bis Ende des Folgejahres auch Käufer für alle restlichen Teile des Hofes Hörste Nr. 6. Am 19. Dez. 1884 findet a. d. Schulteschen Colonate Hörste Nr. 11 ein weiterer Amtstermin statt<ref>LAV NRW OWL, D 23 Detmold Nr. 8249</ref>; hier werden verkauft


an Schulte Nr. 11 Grundstücke 2175 Mark
an Schulte Nr. 11 Grundstücke 2175 Mark,


an Hanning Nr. 39 Grundstücke 1280 Mark
an Hanning Nr. 39 Grundstücke 1280 Mark,


an Zimmermstr. Fritz Meier  Grundstücke (3,25 ha) incl. Wohnhaus + Backhaus
an Zimmermstr. Fritz Meier  Grundstücke (3,25 ha) incl. Wohnhaus + Backhaus
12000 Mark
12000 Mark,


an Fritz Hey, Bill. Nr. 29 Holzung 1900 Mark
an Fritz Hey, Bill. Nr. 29 Holzung 1900 Mark,


an Strate Nr. 20 Grundstücke 2400 Mark
an Strate Nr. 20 Grundstücke 2400 Mark.


Ab 1885 findet sich unter Hörste Nr. 6 also die Stätte des Zimmermeisters Friedrich Wilhelm (<u>Fritz</u>) Meier, bestehend aus dem Wohnhaus u. Backhaus des ehemaligen Hofes Hanning sowie 3,25 ha Land (im wesentlichen 2 ha Acker „Im Holland“ (östlich Hofstelle Gees) sowie Gärten, Wiese u. Hofraum). Die ehemalige Leibzucht Hanning dagegen wurde bereits 1871/72 abgebrochen, ihr Standort mit dem südlichen Drittel des Hofraumes dann an den Ziegelmeister Fritz Meier verkauft, der hier inzwischen das noch heute stehende Haus seiner Neuwohnerstätte Nr. 72 erbaut hat.
Ab 1885 findet sich unter Hörste Nr. 6 also die Stätte des Zimmermeisters Friedrich Wilhelm (<u>Fritz</u>) Meier, bestehend aus dem Wohnhaus u. Backhaus des ehemaligen Hofes Hanning sowie 3,25 ha Land (im wesentlichen 2 ha Acker „Im Holland“ (östlich Hofstelle Gees) sowie Gärten, Wiese u. Hofraum). Die ehemalige Leibzucht Hanning dagegen wurde bereits 1871/72 abgebrochen, ihr Standort mit dem südlichen Drittel des Hofraumes dann an den Ziegelmeister Fritz Meier verkauft, der hier inzwischen das noch heute stehende Haus seiner Neuwohnerstätte Nr. 72 erbaut hat.


Der aus Müssen stammende junge Zimmermeister Fritz Meier (1850 – 1914) wohnt seit Mitte 1882 als Einlieger im ehemals Hanningschen Haus Nr. 6. Er hat zu jener Zeit seine hochschwangere Braut geehelicht und eine Bleibe für seine junge Familie gesucht und zugleich eine Werkstatt für sein Gewerbe benötigt. Das für die verbliebene Landwirtschaft sicher überdimensionierte Haus wird also für seine Zwecke passend gewesen sein. Leute wie Fritz Meier wurden der Tradition folgend als Zimmermann/Zimmermeister bezeichnet, waren aber (gemessen an heutigen Berufsbildern) eher Bautischler, die i. d. R. alles bauten, was im ländlichen Bereich aus Holz gefertigt wurde, also gleichermaßen in der Werkstatt wie auf Baustellen tätig waren. Fritz Meier hat der familiären Überlieferung nach im Hause Hörste Nr. 6 über drei Jahrzehnte bis zu seinem Tod 1914 einen Betrieb mit mehreren Gesellen geführt. Den zur Kaufpreisfinanzierung 1885 benötigten Kredit von 9000 Mark kann er bis 1907 vollständig tilgen, wie der Financier (1885 Major v. Rodewald in Detmold, 1907 zum General avanciert) bestätigt.<ref>LAV NRW OWL, D 23 B Hörste Bd 4 Bl. 102</ref>
Der aus Müssen stammende junge Zimmermeister Fritz Meier (1850 – 1914) wohnt seit Mitte 1882 als Einlieger im ehemals Hanningschen Haus Nr. 6. Er hat zu jener Zeit seine hochschwangere Braut geehelicht und eine Bleibe für seine junge Familie gesucht und zugleich eine Werkstatt für sein Gewerbe benötigt. Das für die verbliebene Landwirtschaft sicher überdimensionierte Haus wird also für seine Zwecke passend gewesen sein. Leute wie Fritz Meier wurden der Tradition folgend als Zimmermann/Zimmermeister bezeichnet, waren aber (gemessen an heutigen Berufsbildern) eher Bautischler, die i. d. R. alles bauten, was im ländlichen Bereich aus Holz gefertigt wurde, also gleichermaßen in der Werkstatt wie auf Baustellen tätig waren. Fritz Meier hat der familiären Überlieferung nach im Hause Hörste Nr. 6 über drei Jahrzehnte bis zu seinem Tod 1914 einen Betrieb mit mehreren Gesellen geführt. Das zur Kaufpreisfinanzierung 1885 benötigte Darlehn von 9000 Mark kann er bis 1907 vollständig tilgen, wie der Financier (1885 Major v. Rodewald in Detmold, 1907 zum General avanciert) bestätigt.<ref>LAV NRW OWL, D 23 B Hörste Bd 4 Bl. 102</ref>
   
   
Fritz Meier hat irgendwann Magenprobleme  -  schließlich Magenkrebs, woran er sich im Juli 1914 in Schloß Neuhaus operieren lässt. Er überlebt die Operation nur wenige Tage. Dann ist seine Ehefrau/Witwe weitgehend allein mit ihrer jüngsten, 8-jährigen Tochter auf der Stätte, denn zeitgleich werden Millionen jüngere Männer in den Krieg befohlen. Anfängliche Hoffnungen auf ein schnelles Kriegsende gehen bald über in mühsame Jahre der Überforderung.
Fritz Meier hat irgendwann Magenprobleme  -  schließlich Magenkrebs, woran er sich im Juli 1914 in Schloß Neuhaus operieren lässt. Er überlebt die Operation nur wenige Tage. Dann ist seine Ehefrau/Witwe weitgehend allein mit ihrer jüngsten, 8-jährigen Tochter auf der Stätte, denn zeitgleich werden Millionen jüngere Männer in den Krieg befohlen. Anfängliche Hoffnungen auf ein schnelles Kriegsende gehen bald über in mühsame Jahre der Überforderung.
   
   
Im Juni 1918 erscheint die im Geschäftsleben vollkommen unerfahrene Witwe Juliane Meier, geb. Brinkmann, vor dem Amtsgericht Oerlinghausen und lässt sich anstelle ihres verstorbenen Mannes im Grundbuch als Eigentümerin der Stätte Hörste Nr. 6 eintragen. Im selben Termin verkauft sie die Stätte an ihren gegenüber wohnenden Nachbarn, den Colon/Landwirt August Brokmann, Hörste Nr. 10. Der Kaufpreis beträgt 20 000 (Papier-) Mark, Zahlung und Übergabe erfolgt am 1. April 1919.   Witwe Meier zieht 1919 zu ihrer Tochter Mathilde, die auf einen Hof in Brakelsiek heiraten kann und verstirbt dort 1936 völlig mittellos, denn der Erlös aus dem Stättenverkauf  -  bereits zwischen Vertragsabschluss und Auszahlung auf etwa den halben Wert gesunken  -  ist als Bankeinlage angelegt bis Ende 1923 wertlos geworden.
Im Juni 1918 erscheint die im Geschäftsleben vollkommen unerfahrene Witwe Juliane Meier, geb. Brinkmann, vor dem Amtsgericht Oerlinghausen und lässt sich anstelle ihres verstorbenen Mannes im Grundbuch als Eigentümerin der Stätte Hörste Nr. 6 eintragen. Im selben Termin verkauft sie die Stätte an ihren gegenüber wohnenden Nachbarn, den Colon/Landwirt August Brokmann, Hörste Nr. 10. Der Kaufpreis beträgt 20 000 (Papier-) Mark, Zahlung und Übergabe erfolgt am 1. April 1919. Witwe Meier zieht 1919 zu ihrer Tochter Mathilde, die auf einen Hof in Brakelsiek heiraten kann und verstirbt dort 1936 völlig mittellos, denn der Erlös aus dem Stättenverkauf  -  bereits zwischen Vertragsabschluss und Auszahlung auf etwa den halben Wert gesunken  -  ist als Bankeinlage angelegt bis Ende 1923 wertlos geworden.


Für den hochverschuldeten Käufer August Brokmann (seine Stätte Nr. 10 ist bei Übernahme 1913 mit 23 000 Mark Hypothekenschulden belastet) entwickeln sich dagegen die Dinge recht günstig. Angesichts der Situation erwirbt er im Folgejahr auch die (ehemals zum Hanningschen Hof gehörende) benachbarte Neuwohnerstätte Nr. 72. Da seine Gebäude auf Nr. 10 in schlechtem Zustand sind, bezieht er mit Familie das alte Haus Nr. 6.
Für den hochverschuldeten Käufer August Brokmann (seine Stätte Nr. 10 ist bei Übernahme 1913 mit 23 000 Mark Hypothekenschulden belastet) entwickeln sich die Dinge dagegen recht günstig. Angesichts der Situation erwirbt er im Folgejahr auch die (ehemals zum Hanningschen Hof gehörende) benachbarte Neuwohnerstätte Nr. 72. Da seine Gebäude auf Nr. 10 in schlechtem Zustand sind, bezieht er mit Familie das alte Haus Nr. 6.


1929 wird der gesamte Immobilienbestand des zehn Jahre zuvor erworbenen Resthofes Nr. 6 im Grundbuch Hörste auf Antrag des Ehepaares Brokmann umgetragen auf ihren angestammten Hof Hörste Nr. 10. Das uralte Haupthaus des früheren Hofes Hanning Nr. 6 ist bis nach dem zweiten Weltkrieg bewohnt, steht dann Jahrzehnte leer. Irgendwann in dieser Phase wird es einer bauhistorischen Untersuchung für wert befunden und in das Standardwerk über westfälische (Fachwerk-)Bauernhäuser aufgenommen.<ref>Josef Schepers, Haus und Hof westfälischer Bauern, Verlag Aschendorff, Münster 1973</ref>
1929 wird der gesamte Immobilienbestand des zehn Jahre zuvor erworbenen Resthofes Nr. 6 im Grundbuch Hörste auf Antrag des Ehepaares Brokmann umgetragen auf ihren angestammten Hof Hörste Nr. 10. Das uralte Haupthaus des früheren Hofes Hanning Nr. 6 ist bis nach dem zweiten Weltkrieg bewohnt, steht dann Jahrzehnte leer. Irgendwann in dieser Phase wird es einer bauhistorischen Untersuchung für wert befunden und in das Standardwerk über westfälische (Fachwerk-)Bauernhäuser aufgenommen.<ref>Josef Schepers, Haus und Hof westfälischer Bauern, Verlag Aschendorff, Münster 1973</ref>
   
   
In den 1970er Jahre wächst langsam die gesellschaftliche Sensibilität für den historischen Wert der wenigen verbliebenen Fachwerkbauten. Zugleich ist klar, dass das alte Haus mit dem umgebenden Hofraum zwei sehr gefragte Baugrundstücke ergeben würde/könnte. So muss das Haus schließlich weichen. ''Die Grundstücksteilung kann erst erfolgen, wenn gemäß der Abbruchgenehmigung vom 18.02.82 das aufstehende Fachwerkhaus abgebaut worden ist.''<ref>Grundstücksteilungsgenehmigung in Grundakte, LAV NRW OWL, D 23 Hörste Bd 4 Bl. 102</ref> Der Abbau des Haus erfolgt zwar nach Kennzeichnung der Hölzer (vgl. Foto), die Balken werden dann aber Folien-umwickelt unsachgemäß gelagert, sind bald durchnässt und Fäulnis ausgesetzt. Schließlich ist einige Jahre später von Hörstes ältestem Haus nur Brennholz geblieben.
In den 1970er Jahre wächst langsam die gesellschaftliche Sensibilität für den historischen Wert der wenigen verbliebenen Fachwerkbauten. Zugleich ist klar, dass das alte Haus mit dem umgebenden Hofraum zwei sehr gefragte Baugrundstücke ergeben würde/könnte. So muss das Haus schließlich weichen. ''Die Grundstücksteilung kann erst erfolgen, wenn gemäß der Abbruchgenehmigung vom 18.02.81 das aufstehende Fachwerkhaus abgebaut worden ist.''<ref>Grundstücksteilungsgenehmigung in Grundakte, LAV NRW OWL, D 23 Hörste Bd 4 Bl. 102</ref> Der Abbau des Haus erfolgt zwar nach Kennzeichnung der Hölzer (vgl. Foto), die Balken werden dann aber Folien-umwickelt unsachgemäß gelagert, sind bald durchnässt und Fäulnis ausgesetzt. Schließlich ist einige Jahre später von Hörstes ältestem Haus nur Brennholz geblieben.


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Version vom 6. April 2026, 17:20 Uhr

Hiddentruper Straße 11-13 (Hörste)
OrtsteilHörste
StraßeHiddentruper Straße (Hörste)
Hausnummer11-13
Karte
Adressbuch von 1901Ja
GemeindeHörste
Hausnummer006

Über die Grundstücke Hiddentruper Straße 11 und 13 erstreckte sich bis 1981 das um 1560 erbaute Haupthaus des ehemaligen, bereits im 19. Jahrhundert zerteilten Hofes Hanning, früher Hörste Nr. 6.

Dieser 1730 als Großkötter klassifizierte Hof umfasste zu jener Zeit 162 Scheffelsaat (ca. 27 ha) Gesamtfläche, wovon 102 Scheffelsaat (ca. 17 ha) Saatland (Ackerland) waren. Zu dem Hof gehörten vier Pferde.[1]

Geschichte

Graf Otto III. von Ravensberg beurkundete 1262 als Lehnsherr den Verkauf von zwei Höfen - so genannten Mansen - in der villa Horste, Kirchspiel Stapelage, seitens eines Gerhard Duvellescop an das Kloster Marienfeld.[2] [3] Fachleute verstehen solche „Mansen“ als mittelgroße Höfe, so dass unter den Jahrhunderte später marienfeldischen Höfen in Hörste nur Hanning Nr. 6 und Hilbrink Nr. 7 als die 1262 verkauften in Frage kommen. Hier ist der Großkötterhof Hanning (später Nr. 6) also erstmals erwähnt worden - dies allerdings ohne Namensnennung.

Mit Namen (Jo)Hanning [4] findet sich der Hof in den frühen Schatzregistern: 1467 Cort Johannyngk 1 g., 1488 - , 1497 Hencke Johanninck 2 m., 1507 Hencke Johaninck 1 g., 1535 Hencke Johann(in)ck 1 ½ G., 1545 Hencke Johanninck 1 ½ Fl., 1562 Cordt Johanninck 3 Fl., 1572 Cordt Johanninck 3 Ort, 1590 Curdt Johanning 1 ½ Fl., 1618 Churdt Haningh 3 Gfl.

In der Volkszählung Mitte 1609 werden uns die Menschen auf dem Hof vorgestellt - der Kötter Hanningh (Curt Hanning) mit Frau, 1 Sohn, 1 Tochter, 3 Kleinkinder(n), 1 Knecht. Der Kötter bzw. der Hof ist zu dieser Zeit ziemblich vermugens. Die ebenfalls auf dem Hof lebende Leibzüchtersche mit 1 dochter und 2 Kleinkindern ist dagegen arm.[5]

Wohl der Sohn - ggfs. auch eines der genannten Kleinkinder - ist Hans Hanning, der 1629 Trinecke Voß aus Wellentrup schwängert und heiratet[6] und alsbald seinem Vater als Kötter folgt. Diese Eheleute haben Glück in mehrfacher Hinsicht: Eine offenbar stabile Gesundheit ermöglicht ihnen eine extrem lange Schaffenszeit von 45 Jahren als Kötterpaar auf dem Hof, so dass sie erst 1676 gemeinsam dem Kloster Marienfeld, ihrem Grundherrn, die Hofübergabe an ihren Sohn Bartold und dessen Ehefrau Anna Margarethe berichten.[7] Des Weiteren übersteht ihr Haus den Dreißigjährigen Krieg unbeschadet - es bleibt noch Jahrhunderte (bis 1981) erhalten. Unverhofftes Glück kommt schließlich hinzu: In den allgemein sehr schweren Jahrzehnten nach dem Dreißigjährigen Krieg verstirbt Cord Voß, ein Bruder von Trinecke Voß, 1669 kinderlos in Amsterdam. Er hat dort lange gelebt und ist zu beachtlichem Wohlstand gekommen. Trinecke Voß und ihre anderen Brüder, u. a. der Kötter auf dem Hof Voß in Wellentrup, erben das Vermögen ihres verstorbenen Bruders - jeweils mehrere Hundert Taler. Diese Erbschaft ermöglicht den Bau eines Hauses auf dem Hof Hanning.[8]

Während der 1676 antretende Kötter Bartold Hanning nur eine (bereits verstorbene) Schwester hatte, die bei ihrer Eheschließung 1655 mit 120 Talern und Vieh abgefunden wurde[9], wird die Aussteuerung in der übernächsten und weiteren Generationen mit einer größeren Kinderzahl teuer und für den Hof belastend. Mindestens sieben der acht Kinder des ab 1715 den Hof bewirtschaftenden Ehepaares Hans Bartold Hanning und Anna Elisabeth Hartwig überleben - was eigentlich ein großes Glück ist. Die meisten davon erwarten und erhalten jedoch in den 1740er und 1750er Jahren einen Brautschatz von Hundert und mehr Talern, wenn sie den Hof mit ihrer Eheschließung verlassen.

So verflüchtigt sich der einstige Wohlstand mehr und mehr. Hatte es im Schuldenkataster von 1683 noch geheißen: Berthold Hanning ist nichts schüldig und hatt nichts sonderliches zu fordern . . . [10], bleibt sein Enkel Johann Berend Hanning 1769 die Contribution schuldig und bittet um Zahlungsaufschub bis nach der Ernte sowie um Herausgabe von zwei gepfändeten Kühen.[11] 1775 hat eine ähnliche Situation noch krassere Folgen: Im Januar schießt Straßenkötter Griemert aus Pivitsheide dem Colon Hanning 30 Taler (rückständige) Contribution bis nach der Ernte vor; er verlangt dafür die Erträge dreier Ackerstücke als Pfand. Hanning kann auch im August nicht zahlen, woraufhin der gemähte und aufgerichtete Roggen zwangsverkauft wird.[12]

Derlei lassen sich der Amtsvogt in Lage und die Rentkammer in Detmold nicht endlos bieten. 1778/79 wird ein Stück Land des Hofes Hanning abgetrennt und an einen Neuwohner vergeben; Hörstes Stätte Nr. 35 entsteht: Freilassung des Einliegers Joh. Henr. Rebbe aus Stapelage und dessen Anbau auf Hannings Hof zu Hörste.[13] Dennoch bleibt der Tenor im weiteren Schriftwechsel unverändert: Supplic des Coloni Hanning in Hörste Nr. 6 (1782) an die Rentkammer: - Brandschaden des Leibzuchtshauses, - daraufhin 1780 und 1781 von Forstverwalter 2000 Steine erhalten, versprochen zu bezahlen . . . , - Leinsamen geborgt, dann aber Flachs schlecht geraten . . . , - möchte mit Arbeit bei Holzflößung Schulden abarbeiten . . .[14]

Auch sonst wird Abenteuerliches und Absonderliches von dem Hof Hanning in Hörste berichtet. Im Oktober 1715 eskaliert die Hochzeitsfeier des Anerben/jungen Kötters Hans Bartold Hanning: Ex officio wirdt angezeiget, als Hanning zu Hörste Hochzeit gehalten, daß nachgesetzte Hochzeitsgäste sich untereinander grausamb geschlagen, sogar daß einige auff den Todt gelegen, und mit Pistollen und Flinten in das Hauß geschoßen, dadurch gar leicht eine Feüers Brunst und großes Unglück hette entstehen können, ist also dießer Excehs zu bestraffen. Die Combattanten seÿn . . . [15]

Eine Kriminalakte aus dem Jahre 1772 trägt den Titel: Acta von einen besonderen Vorfall wegen eines beÿ dem Coloni Hanning zu Hörste unter dem Dache eines alten Backhauses vorgefundenen ausgetrockneten Menschen Fußes [16] Es ist ein rechter Fuß, und alle Zehen sind noch dran. Verschiedene Verhöre werden angestellt, danach soll vor langer Zeit auf dem Colonate ein Mann gewohnet, der allerhand wunderliche Curen am Menschen und Vieh unternommen . . . der Sachverhalt kann letztlich nicht aufgeklärt werden.

Mit dem frühen Tod des jungen Kötters Töns Christoph Hanning (1795 – 1828) und seines einjährigen Sohnes stirbt die bis dahin auf dem Hof sitzende Familie 1828 aus; für den daraufhin einheiratenden Justus Franziskus Emilius Lüking aus Greste und auch seinen nachfolgenden Sohn August(us Franziskus) ist die emotionale Bindung an den Hof gemäß dem Motto „Ererbtes bewahren“ möglicherweise schwächer, so dass es 50 Jahre später zum Verkauf und damit zur „Zerschlagung“ des uralten Hofes Hanning kommen wird.

Schon zuvor entsteht in den 1840er bis 1860er Jahren mehr Bewegung auf dem Hörster Grundstücksmarkt. Dies ist sicherlich eine Folge der Teilung des Hörsterbruches um 1840, wodurch praktisch alle Grundbesitzer im Ort neue Ländereien zugeteilt erhalten. So verkauft Hanning 1841 eine ihm zugefallene größere Fläche auf dem südlichen Hörsterbruch, auf der dann die Neuwohnerstätte Ahle Nr. 43 entsteht. Hanning lässt 1842 einen Kotten auf dem Ikenkamp errichten. Weitere Verkäufe, aber auf Grundstückstausch-Transaktionen mit anderen Hörster Bauern folgen.

Dann aber kommt es - zehn Jahre, nachdem der junge August Hanning geheiratet und 1865 den Hof übernommen hat - zu Veränderungen anderer Dimension: Der Colon August Hanning Nr. 6 in Hörste ist aus familiären Rücksichten gezwungen worden, den Fluegelschen Hof zu Heesten Amts Horn anzukaufen, und dadurch in schwere Schuldenlast gerathen, zu deren Verminderung er sich entschlossen hat, einzelne Bestandtheile seines Colonats Nr. 6 in Hörste zu verkaufen. [17] [18]

Tüchtige Leute im Ort - ob Besitzer anderer Stätten/Höfe oder häufig Einlieger mit der Berufsangabe Ziegelmeister - können jetzt ein passendes Stück Land für einen nicht überhöhten Preis erwerben. Vorhandene Stätten werden erweitert/verbessert, die Neuwohnerstätten Wendt Nr. 71, Meyer Nr. 72, Klarholz Nr. 73, Koch Nr. 74, Riesenberg Nr. 76 entstehen. Bei dieser Art des Verkaufs verbleibt natürlich zunächst ein Rest; diesen incl. des Haupthauses erwirbt die Besitzerin des Nachbarhofes, Witwe Colona Sophie Hilbrink, Hörste Nr. 7, im Mai 1876 für 8 500 Taler = 25 500 Mark.

Das geht einige Jahre scheinbar gut, dann wird im März 1882 ein neues Problem offenbar: Curatel für die Witwe Colona Hilbrink No. 6 und 7 zu Hoerste.[19] In der Akte heißt es: Die Witwe Colona Hilbrink No 6 und 7 zu Hörste ist als Verschwenderin durch Beschluß von heute entmündigt und kann ohne Genehmigung der ihr als Curatoren bestellten Colonen . . . keine Schulden mehr contrahieren. . . .

Drei Monate später strebt man eine Lösung des Problems an; in der Landeszeitung wird ein öffentlicher Termin im Ostmannschen Kruge zu Hörste am Freitag, den 14. Juli 1882 bekannt gemacht: Die Kuratoren der Witwe Hilbrink Nr. 6 und 7 in Hörste beabsichtigen, das früher angekaufte Hanningsche Kolonat Nr. 6 daselbst, bestehend aus einem Wohnhause, taxiert zu 7600 M, einem Backhause zu 1300 Mark, nebst 72 Schffls. Ackerland, 26 Schffls. Heideboden u. ca. 8 Schffls. Holzbestand . . . meistbietend zu verkaufen.

In diesem Termin erwirbt Isaak Hochfeld, Pferdehändler zu Lemgo und daneben häufiger in Immobiliengeschäften aktiv, das (ehemals Hanningsche) Kolonat Nr. 6. Hochfeld geht die weitere Filetierung des Besitzes systematisch an und verkauft im April 1883 Ackerflächen an die Colone Hanning Nr. 39, Hanning Nr. 48, Ostmann Nr. 14, Töns Wendt Nr. 21, Schulte Nr. 11 und Meier Nr. 41.[20] Er findet bis Ende des Folgejahres auch Käufer für alle restlichen Teile des Hofes Hörste Nr. 6. Am 19. Dez. 1884 findet a. d. Schulteschen Colonate Hörste Nr. 11 ein weiterer Amtstermin statt[21]; hier werden verkauft

an Schulte Nr. 11 Grundstücke 2175 Mark,

an Hanning Nr. 39 Grundstücke 1280 Mark,

an Zimmermstr. Fritz Meier Grundstücke (3,25 ha) incl. Wohnhaus + Backhaus 12000 Mark,

an Fritz Hey, Bill. Nr. 29 Holzung 1900 Mark,

an Strate Nr. 20 Grundstücke 2400 Mark.

Ab 1885 findet sich unter Hörste Nr. 6 also die Stätte des Zimmermeisters Friedrich Wilhelm (Fritz) Meier, bestehend aus dem Wohnhaus u. Backhaus des ehemaligen Hofes Hanning sowie 3,25 ha Land (im wesentlichen 2 ha Acker „Im Holland“ (östlich Hofstelle Gees) sowie Gärten, Wiese u. Hofraum). Die ehemalige Leibzucht Hanning dagegen wurde bereits 1871/72 abgebrochen, ihr Standort mit dem südlichen Drittel des Hofraumes dann an den Ziegelmeister Fritz Meier verkauft, der hier inzwischen das noch heute stehende Haus seiner Neuwohnerstätte Nr. 72 erbaut hat.

Der aus Müssen stammende junge Zimmermeister Fritz Meier (1850 – 1914) wohnt seit Mitte 1882 als Einlieger im ehemals Hanningschen Haus Nr. 6. Er hat zu jener Zeit seine hochschwangere Braut geehelicht und eine Bleibe für seine junge Familie gesucht und zugleich eine Werkstatt für sein Gewerbe benötigt. Das für die verbliebene Landwirtschaft sicher überdimensionierte Haus wird also für seine Zwecke passend gewesen sein. Leute wie Fritz Meier wurden der Tradition folgend als Zimmermann/Zimmermeister bezeichnet, waren aber (gemessen an heutigen Berufsbildern) eher Bautischler, die i. d. R. alles bauten, was im ländlichen Bereich aus Holz gefertigt wurde, also gleichermaßen in der Werkstatt wie auf Baustellen tätig waren. Fritz Meier hat der familiären Überlieferung nach im Hause Hörste Nr. 6 über drei Jahrzehnte bis zu seinem Tod 1914 einen Betrieb mit mehreren Gesellen geführt. Das zur Kaufpreisfinanzierung 1885 benötigte Darlehn von 9000 Mark kann er bis 1907 vollständig tilgen, wie der Financier (1885 Major v. Rodewald in Detmold, 1907 zum General avanciert) bestätigt.[22]

Fritz Meier hat irgendwann Magenprobleme - schließlich Magenkrebs, woran er sich im Juli 1914 in Schloß Neuhaus operieren lässt. Er überlebt die Operation nur wenige Tage. Dann ist seine Ehefrau/Witwe weitgehend allein mit ihrer jüngsten, 8-jährigen Tochter auf der Stätte, denn zeitgleich werden Millionen jüngere Männer in den Krieg befohlen. Anfängliche Hoffnungen auf ein schnelles Kriegsende gehen bald über in mühsame Jahre der Überforderung.

Im Juni 1918 erscheint die im Geschäftsleben vollkommen unerfahrene Witwe Juliane Meier, geb. Brinkmann, vor dem Amtsgericht Oerlinghausen und lässt sich anstelle ihres verstorbenen Mannes im Grundbuch als Eigentümerin der Stätte Hörste Nr. 6 eintragen. Im selben Termin verkauft sie die Stätte an ihren gegenüber wohnenden Nachbarn, den Colon/Landwirt August Brokmann, Hörste Nr. 10. Der Kaufpreis beträgt 20 000 (Papier-) Mark, Zahlung und Übergabe erfolgt am 1. April 1919. Witwe Meier zieht 1919 zu ihrer Tochter Mathilde, die auf einen Hof in Brakelsiek heiraten kann und verstirbt dort 1936 völlig mittellos, denn der Erlös aus dem Stättenverkauf - bereits zwischen Vertragsabschluss und Auszahlung auf etwa den halben Wert gesunken - ist als Bankeinlage angelegt bis Ende 1923 wertlos geworden.

Für den hochverschuldeten Käufer August Brokmann (seine Stätte Nr. 10 ist bei Übernahme 1913 mit 23 000 Mark Hypothekenschulden belastet) entwickeln sich die Dinge dagegen recht günstig. Angesichts der Situation erwirbt er im Folgejahr auch die (ehemals zum Hanningschen Hof gehörende) benachbarte Neuwohnerstätte Nr. 72. Da seine Gebäude auf Nr. 10 in schlechtem Zustand sind, bezieht er mit Familie das alte Haus Nr. 6.

1929 wird der gesamte Immobilienbestand des zehn Jahre zuvor erworbenen Resthofes Nr. 6 im Grundbuch Hörste auf Antrag des Ehepaares Brokmann umgetragen auf ihren angestammten Hof Hörste Nr. 10. Das uralte Haupthaus des früheren Hofes Hanning Nr. 6 ist bis nach dem zweiten Weltkrieg bewohnt, steht dann Jahrzehnte leer. Irgendwann in dieser Phase wird es einer bauhistorischen Untersuchung für wert befunden und in das Standardwerk über westfälische (Fachwerk-)Bauernhäuser aufgenommen.[23]

In den 1970er Jahre wächst langsam die gesellschaftliche Sensibilität für den historischen Wert der wenigen verbliebenen Fachwerkbauten. Zugleich ist klar, dass das alte Haus mit dem umgebenden Hofraum zwei sehr gefragte Baugrundstücke ergeben würde/könnte. So muss das Haus schließlich weichen. Die Grundstücksteilung kann erst erfolgen, wenn gemäß der Abbruchgenehmigung vom 18.02.81 das aufstehende Fachwerkhaus abgebaut worden ist.[24] Der Abbau des Haus erfolgt zwar nach Kennzeichnung der Hölzer (vgl. Foto), die Balken werden dann aber Folien-umwickelt unsachgemäß gelagert, sind bald durchnässt und Fäulnis ausgesetzt. Schließlich ist einige Jahre später von Hörstes ältestem Haus nur Brennholz geblieben.

Gebäude

Inschriften

Eigentümer*innen, Bewohner*innen

- Adressbuch 1901:

6 Meier, Friedrich, Tischler.

Kreuzbusch, Wilhelm, Ziegelmeister.


- Adressbuch 1926:

6 Brokmann, August, Landwirt -> 132 (Lage)

Brokmann, Fritz, Landwirt

Brokmann, Paul, Landwirt

Literatur

Quellen

Weblinks

Einzelnachweise

  1. LAV NRW OWL, L 101 C I, Nr. 102, S. 224
  2. LAV W B 214u / Kloster Marienfeld, Nr. 152
  3. Herbert Stöwer, Lippische Ortsgeschichte, S. 408
  4. Man beachte bei Recherchen: Es hat ursprünglich zwei namensgleiche marienfeldische Höfe Johanning in der Vogtei Lage gegeben - ein kleinerer in Hörste und ein größerer in Ohrsen. Im 17. Jahrhundert verschwindet bei dem Hörster Hof die erste Namenssilbe Jo- mehr und mehr; Johanning wird zu Hanning.
  5. LAV NRW OWL, L 92 Z, Nr. 1424, S. 131
  6. LAV NRW OWL, L 89 A, Nr. 174, S. 34
  7. LAV W B 214 / Kloster Marienfeld / Akten, Nr. 1 - 16i, fol. 47r
  8. LAV NRW OWL, L 83 A Nr. 9 N 63, Bl. 4
  9. LAV NRW OWL, L 108 A Nr. 133, S. 550
  10. LAV NRW OWL, L 101 C I Nr. 97, S. 104
  11. LAV NRW OWL, L 92 T 1 Nr. 1226
  12. LAV NRW OWL, L 83 A Nr. 11 J 246, Bl. 8f
  13. LAV NRW OWL, L 92 T 1, Nr. 1235
  14. LAV NRW OWL, L 92 T 1 Nr. 1226
  15. LAV NRW OWL, L 89 A Nr. 182, S. 266/267
  16. LAV NRW OWL, L 86 Nr. 1392 a
  17. LAV NRW OWL, L 108 Lage Fach 2 Nr. 26 – Bd. XXV, 1.
  18. Die Akte „L 108 Horn Fach 4 Nr. 58 Bd. 3: Colonats- u. Grundstücksverkäufe in Heesten 1872 – 1879“ erschließt folgende Hintergründe: Colon Anton Flügel in Heesten Nr. 9, 58 Jahre alt und Schwiegervater von August Hanning, lässt sich im Frühjahr 1872 auf eine Immobilienspekulation ein. Er kauft mit einem Partner den Hof Heesten Nr. 6 für 15150 Taler, „wofür beide Käufer mit sämtlichem Vermögen haften.“ Zwei Monate später erkrankt er schwer, tritt seinen Hof incl. Schulden an seinen ältesten Sohn ab und verstirbt alsbald. Versuche im Herbst 1872 und wiederholt im Frühjahr 1873, den angekauften Hof Heesten Nr. 6 öffentlich meistbietend wieder zu verkaufen, scheitern wegen ungenügender Gebote. Daraufhin wird die „Zerschlagung“ (Einzelverkauf von Grundstücken) genehmigt. Der junge Colon August Flügel entzieht sich der Schuldenkrise durch Auswanderung nach Amerika. August Hanning aus Hörste und seine Frau Juliane Karoline Flügel kaufen daraufhin 1875 ihren elterlichen Hof Flügel Nr. 9 in Heesten, wodurch die Verschuldung und der Druck, seinen ererbten Hof Hörste Nr. 6 zu veräußern, entsteht.
  19. LAV NRW OWL, D 23 Detmold Nr. 1245
  20. LAV NRW OWL, D 23 Detmold Nr. 8239
  21. LAV NRW OWL, D 23 Detmold Nr. 8249
  22. LAV NRW OWL, D 23 B Hörste Bd 4 Bl. 102
  23. Josef Schepers, Haus und Hof westfälischer Bauern, Verlag Aschendorff, Münster 1973
  24. Grundstücksteilungsgenehmigung in Grundakte, LAV NRW OWL, D 23 Hörste Bd 4 Bl. 102

Autor*innen

Dr. Horst Wissbrock

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Seite erstellt am 23.01.2025 von Dr. Horst Wissbrock

Letzte Änderung am: 06.04.2026 von Dr. Horst Wissbrock