Kolonat 35 (Haustenbeck): Unterschied zwischen den Versionen

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Ehemaliges Kolonat Nr. 35.<ref>{{SprengerHaustenbeck1939}}, S. 200 ff.</ref>
Das ehemalige Kolonat Walter Nr. 35 in Haustenbeck wurde 1752  gegründet.<ref>{{SprengerHaustenbeck1939}}, S. 200 ff.</ref> Die Stätte war unter dem Namen Walter und auch unter „Walter oder Scholand“ bekannt.
==Geschichte==
==Geschichte==
*Nr. 35 Walter, auch Scholand genannt. — Gegründet von Jobst Walter 1752. Später Sprenger, der den Namen Walter übernimmt. <ref>{{SprengerHaustenbeck1939}}, S. 79</ref>
Jobst Walter, Tagelöhner aus Hornoldendorf, gründete das Kolonat Nr. 35,<ref>{{SprengerHaustenbeck1939}}, S. 79</ref> das einige Jahre noch das einzige dieses Namens blieb.
*Umsiedlung 1943. Name(n) und neuer Wohnort: Walter, Oesterholz.<ref>Walter Göbel in {{PiesczekTruppenübungsplatz1994}}, S. 54 ff</ref>
Im Jahr 1762 wird Jobst Walter der jüngere genannt. Er hatte die Stätte damals wohl schon übernommen.
Die letzte Eigentümerin hatte sich lange allen Räumungsversuchen widersetzt.
 
Die Stätte wurde 1943 zwangsgeräumt.<ref>Walter Göbel, [http://www.nhv-ahnenforschung.de/Torbogen/Orte/haustenbeck.htm Hausinschriften in Haustenbeck]</ref>
1769 wurden im Haushalt Walter drei Personen gezählt: Die Eheleute selbst und eine Magd. Ihnen gehörten acht Kühe. Die Leibzüchter lebten allein in ihrem Haushalt und besaßen vier Kühe.<ref>L 92 Z Nr. 1450, S. 100.</ref>
 
Im Jahr 1776 lebte das Ehepaar Walter ohne Kinder oder Dienstboten allein auf seiner Stätte und betrieb Spinnerei. Sie besaßen fünf Kühe und drei Rinder.<ref>L 92 Z Nr. 1448, S. 116.</ref> Zwei Jahre zuvor hatten sie von Kolon [[Kolonat 15 (Haustenbeck)|Kötter Nr. 15]] sechs Scheffelsaat Land gekauft.<ref>Kartei Hans Sprenger.</ref>
 
Nach 16jähriger Ehe hatte das Paar 1784 keine Kinder und wollte die Stätte deshalb an seinen Schwager, den Einlieger Johann Henrich Scholand aus Berlebeck abtreten, behielt sich aber die Leibzucht vor.<ref>Kartei Hans Sprenger.</ref> Mit Johann Henrich Scholand erhielt die Stätte ihren Beinamen Scholand. Die Kinder der Ehe wurden im Kirchenbuch teils unter Walter, teils unter Scholand eingetragen.
 
Scholand alias Walter (?) konnte seine Stätte aber nicht lange halten, weil er 115 Reichstaler Schulden hatte und verkaufte sie 1816. <ref>Kartei Hans Sprenger.</ref>
 
Der in der Hausinschrift genannte Hermann Wilhelm Walter (* 2.5.1791, † 19.3.1853) hatte am 10.3.1816 Hanna Louise Arend (* 13.1.1793, † 15.4.1861) geheiratet. Seine Frau stammte aus der Heeper Senne im Kirchspiel Oerlinghausen. Hermann Wilhelm war ein geborener Sprenger von Nr. 46. Im selben Jahr 1816 kaufte er die alte, im Jahr 1752 erbaute Stätte und führte anschließend den Stättenamen Walter. 1832 ließe er das alte Gebäude durch einen Neubau ersetzen.<ref>Forschungen Walter Göbel (Manuskript).</ref>
 
Im Jahr 1822 traf die Familie ein erschütternder Schicksalsschlag. Die kleine Tochter Hanne Wilhelmine Henriette starb am 16. November 1822 durch ein Feuer („im Feuer verbrannt“). Sie war noch keine zwei Jahre alt.<ref>Kirchenbuch Haustenbeck.</ref>
 
Das Ehepaar Walter hat im Jahr 1828 fünf Söhne, alle unter 14 Jahren alt. Das Leibzüchterpaar lebte mit einem Sohn und einer weiblichen Person in einem Haushalt.<ref>L 92 Z Nr. 1451, S. 208.</ref>
 
Im Jahr 1848 wurde die Stätte Nr. 35 geteilt, als der Anerbe und sein Bruder Friedrich Arnold heirateten. Dem Anerben Friedrich Wilhelm Adolph Walter teilte der Vater das [[Kolonat 111 (Haustenbeck)|Kolonat Nr. 111]] zu, die ehemalige Leibzucht der Stätte Nr. 35. Sein Bruder Friedrich Arnold erhielt den Teil der Stätte mit dem Wohnhaus. Mit seiner Eheschließung am 3. Dezember 1848 übernahm er zusammen mit seiner Frau Marie Sophie Henriette Nolte die Bewirtschaftung des Kolonates Nr. 35.<ref>L 108 A Nr. 145, S. 664ff. und 615f.</ref>
 
Letzte Eigentümerin vor der Auflösung des Dorfes war die unverheiratete Friederike Walter (*1889). Sie widersetzte sich allen Ankaufsversuchen und wurde 1940 enteignet. Sie räumte ihre Stätte aber nicht. Auch allen Zwangsräumungsversuchen widersetzte sie sich. Mit Hilfe der Polizei gelang 1943 es schließlich, die Zwangsräumung durchzusetzen. Die Stätte Nr. 35 wurde unmittelbar danach unbewohnbar gemacht.<ref>Forschungen Walter Göbel (Manuskript).</ref> Die vorherige Eigentümerin war nach Oesterholz umgesiedelt worden.<ref>Walter Göbel in {{PiesczekTruppenübungsplatz1994}}, S. 54 ff.; siehe auch: [http://www.nhv-ahnenforschung.de/Torbogen/Orte/haustenbeck.htm Hausinschriften in Haustenbeck]</ref>


==Gebäude==
==Gebäude==
[[Datei:HAU 035 Haustenbeck 035.jpg|mini|Haustenbeck Nr. 35, Foto: Sammlung Walter Göbel]]
[[Datei:HAU 035 Haustenbeck 035.jpg|mini|Haustenbeck Nr. 35, ca. 1938, Foto: Sammlung Walter Göbel]]
Dreiständerbau von 1832 mit beidseitigen Stallabseiten mit langen Fußstreben, Brettergiebel. Reich verzierter Torbogen (Lebensbäume mit Vögeln) mit dreizeiliger Inschrift, Rose und Stern auf den Köpfen der Torständer.
Nach 1939 verschwunden, Hausstätte heute wüst.


==Inschriften==
==Inschriften==
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==Eigentümer*innen, Bewohner*innen==
==Eigentümer*innen, Bewohner*innen==
* 1752 Jobst Walter oo Cathrine Ilsabein Sprenger, Berlebeck († 1815)
* 1769 (genannt) Johann Jost Walter
Stätte abgetreten an:
* 1784 Johann Henrich Scholand, Berlebeck (+ 1806)<br>I oo  Ilsabein Sprenger († 1798)<br>II oo 1798 Margarete Niemeier aus Schlangen<br>sie II oo 1806 Friedrich Wienbrocker, Kohlstädt Nr. 26
durch Kauf an:
* 1816 Hermann Wilhelm Walter geb. Sprenger (* 1791, † 1853)  oo  1816 oo  Hanna Louise Arend (* 1793, † 1861) aus der Heeper Senne
* 1848 Friedrich Arnold Walter (* 1819)<br>I oo 1848 Henriette Nolte, Haustenbeck Nr. 68 (* 1825, † 1852)<br>II oo 1852  Anne Friederike Caroline Petersmeier aus der preußischen Senne
* 1888 Christoph Friedrich Walter  oo 1888  Wilhelmine Friederike Auguste Walter, [[Kolonat 111 (Haustenbeck)|Nr. 111]]
* 1901 Walter, Friedrich, Landwirth. Walter, August, Ziegler.<ref>{{LippeAdressbuch1901}}, S. 206 ff.</ref>
* 1901 Walter, Friedrich, Landwirth. Walter, August, Ziegler.<ref>{{LippeAdressbuch1901}}, S. 206 ff.</ref>
* 1926 Walter, Minna, Landwirtin.<ref>{{LippeAdressbuch1926}}, S. 673 ff.</ref>
* 1926 Walter, Minna, Landwirtin.<ref>{{LippeAdressbuch1926}}, S. 673 ff.</ref>
* bis 1943 Friederike Walter


==Literatur==
==Literatur==

Aktuelle Version vom 31. Juli 2026, 20:13 Uhr

Kolonat 35 (Haustenbeck)
OrtsteilHaustenbeck
Straße-
Hausnummer-
Karte
Adressbuch von 1901Ja
GemeindeHaustenbeck
Hausnummer035

Das ehemalige Kolonat Walter Nr. 35 in Haustenbeck wurde 1752 gegründet.[1] Die Stätte war unter dem Namen Walter und auch unter „Walter oder Scholand“ bekannt.

Geschichte

Jobst Walter, Tagelöhner aus Hornoldendorf, gründete das Kolonat Nr. 35,[2] das einige Jahre noch das einzige dieses Namens blieb. Im Jahr 1762 wird Jobst Walter der jüngere genannt. Er hatte die Stätte damals wohl schon übernommen.

1769 wurden im Haushalt Walter drei Personen gezählt: Die Eheleute selbst und eine Magd. Ihnen gehörten acht Kühe. Die Leibzüchter lebten allein in ihrem Haushalt und besaßen vier Kühe.[3]

Im Jahr 1776 lebte das Ehepaar Walter ohne Kinder oder Dienstboten allein auf seiner Stätte und betrieb Spinnerei. Sie besaßen fünf Kühe und drei Rinder.[4] Zwei Jahre zuvor hatten sie von Kolon Kötter Nr. 15 sechs Scheffelsaat Land gekauft.[5]

Nach 16jähriger Ehe hatte das Paar 1784 keine Kinder und wollte die Stätte deshalb an seinen Schwager, den Einlieger Johann Henrich Scholand aus Berlebeck abtreten, behielt sich aber die Leibzucht vor.[6] Mit Johann Henrich Scholand erhielt die Stätte ihren Beinamen Scholand. Die Kinder der Ehe wurden im Kirchenbuch teils unter Walter, teils unter Scholand eingetragen.

Scholand alias Walter (?) konnte seine Stätte aber nicht lange halten, weil er 115 Reichstaler Schulden hatte und verkaufte sie 1816. [7]

Der in der Hausinschrift genannte Hermann Wilhelm Walter (* 2.5.1791, † 19.3.1853) hatte am 10.3.1816 Hanna Louise Arend (* 13.1.1793, † 15.4.1861) geheiratet. Seine Frau stammte aus der Heeper Senne im Kirchspiel Oerlinghausen. Hermann Wilhelm war ein geborener Sprenger von Nr. 46. Im selben Jahr 1816 kaufte er die alte, im Jahr 1752 erbaute Stätte und führte anschließend den Stättenamen Walter. 1832 ließe er das alte Gebäude durch einen Neubau ersetzen.[8]

Im Jahr 1822 traf die Familie ein erschütternder Schicksalsschlag. Die kleine Tochter Hanne Wilhelmine Henriette starb am 16. November 1822 durch ein Feuer („im Feuer verbrannt“). Sie war noch keine zwei Jahre alt.[9]

Das Ehepaar Walter hat im Jahr 1828 fünf Söhne, alle unter 14 Jahren alt. Das Leibzüchterpaar lebte mit einem Sohn und einer weiblichen Person in einem Haushalt.[10]

Im Jahr 1848 wurde die Stätte Nr. 35 geteilt, als der Anerbe und sein Bruder Friedrich Arnold heirateten. Dem Anerben Friedrich Wilhelm Adolph Walter teilte der Vater das Kolonat Nr. 111 zu, die ehemalige Leibzucht der Stätte Nr. 35. Sein Bruder Friedrich Arnold erhielt den Teil der Stätte mit dem Wohnhaus. Mit seiner Eheschließung am 3. Dezember 1848 übernahm er zusammen mit seiner Frau Marie Sophie Henriette Nolte die Bewirtschaftung des Kolonates Nr. 35.[11]

Letzte Eigentümerin vor der Auflösung des Dorfes war die unverheiratete Friederike Walter (*1889). Sie widersetzte sich allen Ankaufsversuchen und wurde 1940 enteignet. Sie räumte ihre Stätte aber nicht. Auch allen Zwangsräumungsversuchen widersetzte sie sich. Mit Hilfe der Polizei gelang 1943 es schließlich, die Zwangsräumung durchzusetzen. Die Stätte Nr. 35 wurde unmittelbar danach unbewohnbar gemacht.[12] Die vorherige Eigentümerin war nach Oesterholz umgesiedelt worden.[13]

Gebäude

Haustenbeck Nr. 35, ca. 1938, Foto: Sammlung Walter Göbel

Dreiständerbau von 1832 mit beidseitigen Stallabseiten mit langen Fußstreben, Brettergiebel. Reich verzierter Torbogen (Lebensbäume mit Vögeln) mit dreizeiliger Inschrift, Rose und Stern auf den Köpfen der Torständer. Nach 1939 verschwunden, Hausstätte heute wüst.

Inschriften

Überlieferte Inschrift:[14]

„Hermann Wilhelm Walter und Hanna Louise Walter haben dieses Haus bauen lassen.“ d. 20. Juni 1832 Chr. Filges

Eigentümer*innen, Bewohner*innen

  • 1752 Jobst Walter oo Cathrine Ilsabein Sprenger, Berlebeck († 1815)
  • 1769 (genannt) Johann Jost Walter

Stätte abgetreten an:

  • 1784 Johann Henrich Scholand, Berlebeck (+ 1806)
    I oo Ilsabein Sprenger († 1798)
    II oo 1798 Margarete Niemeier aus Schlangen
    sie II oo 1806 Friedrich Wienbrocker, Kohlstädt Nr. 26

durch Kauf an:

  • 1816 Hermann Wilhelm Walter geb. Sprenger (* 1791, † 1853) oo 1816 oo Hanna Louise Arend (* 1793, † 1861) aus der Heeper Senne
  • 1848 Friedrich Arnold Walter (* 1819)
    I oo 1848 Henriette Nolte, Haustenbeck Nr. 68 (* 1825, † 1852)
    II oo 1852 Anne Friederike Caroline Petersmeier aus der preußischen Senne
  • 1888 Christoph Friedrich Walter oo 1888 Wilhelmine Friederike Auguste Walter, Nr. 111
  • 1901 Walter, Friedrich, Landwirth. Walter, August, Ziegler.[15]
  • 1926 Walter, Minna, Landwirtin.[16]
  • bis 1943 Friederike Walter

Literatur

  • Hans Sprenger, Haustenbeck - Ein Buch der Erinnerungen, Detmold 1939
  • Heimat- und Verkehrsverein Oesterholz-Haustenbeck (Hg.): Haustenbeck 1659 - 1939 - 1989. Schlangen 1989
  • Hildegard Mehrmann (Hg.): Das ehemalige Haustenbeck in der Senne. Lage 1993
  • Uwe Piesczek (Hg.): Truppenübungsplatz Senne. Zeitzeuge einer hundertjährigen Militärgeschichte. Chronik. Bilder. Dokumente. Paderborn 1994

Quellen

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Hans Sprenger, Haustenbeck - Ein Buch der Erinnerungen, Detmold 1939, S. 200 ff.
  2. Hans Sprenger, Haustenbeck - Ein Buch der Erinnerungen, Detmold 1939, S. 79
  3. L 92 Z Nr. 1450, S. 100.
  4. L 92 Z Nr. 1448, S. 116.
  5. Kartei Hans Sprenger.
  6. Kartei Hans Sprenger.
  7. Kartei Hans Sprenger.
  8. Forschungen Walter Göbel (Manuskript).
  9. Kirchenbuch Haustenbeck.
  10. L 92 Z Nr. 1451, S. 208.
  11. L 108 A Nr. 145, S. 664ff. und 615f.
  12. Forschungen Walter Göbel (Manuskript).
  13. Walter Göbel in Uwe Piesczek (Hg.): Truppenübungsplatz Senne. Zeitzeuge einer hundertjährigen Militärgeschichte. Chronik. Bilder. Dokumente. Paderborn 1994 , S. 54 ff.; siehe auch: Hausinschriften in Haustenbeck
  14. Walter Göbel, Hausinschriften in Haustenbeck
  15. Adressbuch für das Fürstenthum Lippe, Detmold 1901 Digitalisat, S. 206 ff.
  16. Adreßbuch des Landes Lippe, Detmold 1926 Digitalisat, S. 673 ff.

Autor*innen

Margit Lenniger, Olaf Biere

Seitenhistorie

Seite erstellt am 08.07.2026 von Olaf Biere

Letzte Änderung am: 31.07.2026 von Olaf Biere