Brinkstraße 4 (Blomberg): Unterschied zwischen den Versionen
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==Geschichte== | ==Geschichte== | ||
Wohl mittelalterliche, kleinbürgerliche Hausstätte am unteren Ende der Brinkstraße. Der durch die Torinschrift (Skzzenbuch von Emil Zeiß) überlieferte Bauherr des erhaltenen Hauses von 1571, Bernhard Wahle, war Goldschmied und erscheint um 1580 in Rechnungen der Blomberger Stadtbibliothek.<ref>Meier/Stiewe, Blomberg, S. 22.</ref> Laut Rolf wird er 1583 mit seiner Ehefrau Anna erwähnt.<ref>Rolf, Bürger, S. 128f., ohne Quellenangabe.</ref> Später war das Haus im Besitz von verschiedenen Handwerkern. | |||
==Gebäude== | ==Gebäude== | ||
Giebelständiges Fachwerkhaus, kleines zweischiffiges Dielenhaus von vier Fachen, datiert 1569 (d) und 1571 (i), 1834 Fachwerk der Außenwände weitgehend erneuert, 1857 um ein kürzeres Hinterhaus verlängert. | Giebelständiges Fachwerkhaus, kleines zweischiffiges Dielenhaus von vier Fachen, datiert 1569 (d) und 1571 (i), 1834 Fachwerk der Außenwände weitgehend erneuert, 1857 um ein kürzeres Hinterhaus verlängert.<ref>Stiewe, Hausbau, S. 255f.</ref> | ||
'''Kernbau von 1571:''' Kleiner Dreiständerbau von vier Fachen (Grundfläche ca. 7,8 x 10,2 m), ursprünglich hohe Diele rechts und zweigeschossiges Seitenschiff links, weitere Angaben zur inneren Raumgliederung sind in dem umgebauten Haus nicht möglich. Gefüge aus kräftigen Hölzern mit aufgelegten Dachbalken (Unterrähmzimmerung), Ständer mit großen, gekehlten Kopfbändern in Längs- und Querrichtung (zur Diele bzw. zum Hausinnern) verstrebt. Sparrendach mit zwei verzapften Kehlbalkenlagen, ein älterer, wiederverwendeter Sparren mit Anblattungsspur (Schwalbenschwanz) wohl von einem Vorgängerbau des 15. Jahrhunderts, ein älterer Kehlbalken datiert 1514 +/- 3 (d). Rechte Traufwand mit drei Riegelketten, Ständer mit beidseitigen kleinen Wandkopfbändern, mittlerer Ständer ohne Kopfbänder. Linke Traufwand im 19. Jahrhundert (1834) erneuert. | '''Kernbau von 1571:''' Kleiner Dreiständerbau von vier Fachen (Grundfläche ca. 7,8 x 10,2 m), ursprünglich hohe Diele rechts und zweigeschossiges Seitenschiff links, weitere Angaben zur inneren Raumgliederung sind in dem umgebauten Haus nicht möglich. Gefüge aus kräftigen Hölzern mit aufgelegten Dachbalken (Unterrähmzimmerung), Ständer mit großen, gekehlten Kopfbändern in Längs- und Querrichtung (zur Diele bzw. zum Hausinnern) verstrebt. Sparrendach mit zwei verzapften Kehlbalkenlagen, ein älterer, wiederverwendeter Sparren mit Anblattungsspur (Schwalbenschwanz) wohl von einem Vorgängerbau des 15. Jahrhunderts, ein älterer Kehlbalken datiert 1514 +/- 3 (d). Rechte Traufwand mit drei Riegelketten, Ständer mit beidseitigen kleinen Wandkopfbändern, mittlerer Ständer ohne Kopfbänder. Linke Traufwand im 19. Jahrhundert (1834) erneuert. | ||
Straßengiebeldreieck aus Fachwerk, ehemals auf Knaggen vorkragend, Giebelschwelle mit Profilen und breitem Tauband, in der Mitte kurze Inschrift. Das erhaltene Giebelfachwerk war vermutlich mit Backsteinen ausgemauert, es besteht aus einem mittigen Spitzständer und jeweils drei seitlichen Giebelständern, die leicht zur Mitte geneigt sind und damit eine fächerförmige Anordnung zeigen, wie sie z. B. aus Braunschweig bekannt ist.<ref> | Straßengiebeldreieck aus Fachwerk, ehemals auf Knaggen vorkragend, Giebelschwelle mit Profilen und breitem Tauband, in der Mitte kurze Inschrift. Das erhaltene Giebelfachwerk war vermutlich mit Backsteinen ausgemauert, es besteht aus einem mittigen Spitzständer und jeweils drei seitlichen Giebelständern, die leicht zur Mitte geneigt sind und damit eine fächerförmige Anordnung zeigen, wie sie z. B. aus Braunschweig bekannt ist.<ref>Fricke, Bürgerhaus Braunschweig, S. 58f.</ref> Drei Giebelständer mit beidseitign dreieckigen Fußbändern und darauf geschnitzten Fächerrosetten, auch diese Gestaltung verweist auf niedersächsische Vorbilder (vgl. Neue Torstra0e 14, 1560; Burg, Ostflügel, 1567).<ref>Dazu Gaul, Zierschnitereien, S. 58 und 66.</ref> | ||
Das Untergeschossfachwerk des Giebels kann nach wenigen erhaltenen Hölzern und Holznagel-Bohrlöchern im Giebelbalken rekonstruiert werden: Leicht aus der Mitte nach rechts verschobener Torbogen mit umlaufendem, breitem Flechtband, der linke Torständer und die beiden Eckständer als tragende Hauptständer des Dreiständerbaus waren mit Kopfbändern hervorgehoben. Ein Rest des Torsturzes mit bogenförmigem Zierstreifen mit Taubändern und Inschriftrest ...RNHART WA... als senkrechter Stiel im Giebelfachwerk verbaut, Schnitzereien auf älteren Fotos noch erkennbar, später abgearbeitet. | Das Untergeschossfachwerk des Giebels kann nach wenigen erhaltenen Hölzern und Holznagel-Bohrlöchern im Giebelbalken rekonstruiert werden: Leicht aus der Mitte nach rechts verschobener Torbogen mit umlaufendem, breitem Flechtband, der linke Torständer und die beiden Eckständer als tragende Hauptständer des Dreiständerbaus waren mit Kopfbändern hervorgehoben. Ein Rest des Torsturzes mit bogenförmigem Zierstreifen mit Taubändern und Inschriftrest ...RNHART WA... als senkrechter Stiel im Giebelfachwerk verbaut, Schnitzereien auf älteren Fotos noch erkennbar, später abgearbeitet. | ||
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==Inschriften== | ==Inschriften== | ||
Inschrift auf dem Giebelbalken: | |||
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Auffällig ist das runde "E"; die dreifachen (!) Trennpunkte (Foto 1936) zwischen den Wörtern sind heute, nachdem die Inschrift nachgeschnitzt worden ist, nicht mehr erhalten. | |||
Auf dem seit dem Umbau 1834 senkrecht verbauten Rest des Torsturzes waren die folgenden Inschriftreste erhalten: | |||
...RNHART WA...<ref>Inschriftrest auf dem Foto von 1936 nicht vollständig abgebildet; Wortlaut nach Rolf, Blomberg (1981), S. 135.</ref> | |||
Die vollständige Inschrift des Torbogens wurde schließlich in einem Skizzenbuch von Emil Zeiß (1833-1910) aus der Zeit um 1875-77 wiederentdeckt (Skizzenbuch 23, Lippisches Landesmuseum Detmold). Zeiß skizzierte den Torbogen mit der Inschrift und dem umlaufenden breiten Zierband aus Perlschnur und zwei Taubändern; außerdem notierte die Inschrift am Giebelbalken unter "Bl(omberg)No. 304, L. Burgdorf" (Abbildung):<ref>Stiewe, Blomberger Inschriften, S. 184ff.</ref> | |||
BERNART WALE / ANNO DOMINI / 1.5 7.1. | |||
Die inschriftliche Datierung 1571 passt mit der dendrochronologischen Datierung "Ende 1569" (aus zwei Ständern des Giebelfachwerks) gut zusammen; in diesem Fall wurde also knapp zwei Jahre vor dem Bau des Hauses mit dem Holzeinschlag begonnen. | |||
==Eigentümer*innen, Bewohner*innen== | ==Eigentümer*innen, Bewohner*innen== | ||
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==Literatur== | ==Literatur== | ||
Rudolf Fricke, Das Bürgerhaus in Braunschweig (Das deutsche Bürgerhaus, XX), Tübingen 1975. | |||
Otto Gaul, Zierschnitzereien der Renaissance an lippischen Fachwerkbauten, in: Mitteilungen aus der lippischen Geshichte und Landeskunde 27, 1958, S. 53-102. | Otto Gaul, Zierschnitzereien der Renaissance an lippischen Fachwerkbauten, in: Mitteilungen aus der lippischen Geshichte und Landeskunde 27, 1958, S. 53-102. | ||
Version vom 7. August 2026, 18:31 Uhr
| Brinkstraße 4 (Blomberg) | |
|---|---|
| Ortsteil | Blomberg (Kernstadt) |
| Straße | Brinkstraße (Blomberg) |
| Hausnummer | 4 |
| Karte | |
| Adressbuch von 1901 | Ja |
| Straße | Am Brink |
| Hausnummer | 4 |
| Ergänzte Hausnummer | 304 |
Alte Hausnummer 304. Kleine bürgerliche Hausstätte, überwiegend von Handwerkern bewohnt. Das erhaltene Haus von 1571 ist das älteste an der Brinkstraße.




Geschichte
Wohl mittelalterliche, kleinbürgerliche Hausstätte am unteren Ende der Brinkstraße. Der durch die Torinschrift (Skzzenbuch von Emil Zeiß) überlieferte Bauherr des erhaltenen Hauses von 1571, Bernhard Wahle, war Goldschmied und erscheint um 1580 in Rechnungen der Blomberger Stadtbibliothek.[1] Laut Rolf wird er 1583 mit seiner Ehefrau Anna erwähnt.[2] Später war das Haus im Besitz von verschiedenen Handwerkern.
Gebäude
Giebelständiges Fachwerkhaus, kleines zweischiffiges Dielenhaus von vier Fachen, datiert 1569 (d) und 1571 (i), 1834 Fachwerk der Außenwände weitgehend erneuert, 1857 um ein kürzeres Hinterhaus verlängert.[3]
Kernbau von 1571: Kleiner Dreiständerbau von vier Fachen (Grundfläche ca. 7,8 x 10,2 m), ursprünglich hohe Diele rechts und zweigeschossiges Seitenschiff links, weitere Angaben zur inneren Raumgliederung sind in dem umgebauten Haus nicht möglich. Gefüge aus kräftigen Hölzern mit aufgelegten Dachbalken (Unterrähmzimmerung), Ständer mit großen, gekehlten Kopfbändern in Längs- und Querrichtung (zur Diele bzw. zum Hausinnern) verstrebt. Sparrendach mit zwei verzapften Kehlbalkenlagen, ein älterer, wiederverwendeter Sparren mit Anblattungsspur (Schwalbenschwanz) wohl von einem Vorgängerbau des 15. Jahrhunderts, ein älterer Kehlbalken datiert 1514 +/- 3 (d). Rechte Traufwand mit drei Riegelketten, Ständer mit beidseitigen kleinen Wandkopfbändern, mittlerer Ständer ohne Kopfbänder. Linke Traufwand im 19. Jahrhundert (1834) erneuert.
Straßengiebeldreieck aus Fachwerk, ehemals auf Knaggen vorkragend, Giebelschwelle mit Profilen und breitem Tauband, in der Mitte kurze Inschrift. Das erhaltene Giebelfachwerk war vermutlich mit Backsteinen ausgemauert, es besteht aus einem mittigen Spitzständer und jeweils drei seitlichen Giebelständern, die leicht zur Mitte geneigt sind und damit eine fächerförmige Anordnung zeigen, wie sie z. B. aus Braunschweig bekannt ist.[4] Drei Giebelständer mit beidseitign dreieckigen Fußbändern und darauf geschnitzten Fächerrosetten, auch diese Gestaltung verweist auf niedersächsische Vorbilder (vgl. Neue Torstra0e 14, 1560; Burg, Ostflügel, 1567).[5]
Das Untergeschossfachwerk des Giebels kann nach wenigen erhaltenen Hölzern und Holznagel-Bohrlöchern im Giebelbalken rekonstruiert werden: Leicht aus der Mitte nach rechts verschobener Torbogen mit umlaufendem, breitem Flechtband, der linke Torständer und die beiden Eckständer als tragende Hauptständer des Dreiständerbaus waren mit Kopfbändern hervorgehoben. Ein Rest des Torsturzes mit bogenförmigem Zierstreifen mit Taubändern und Inschriftrest ...RNHART WA... als senkrechter Stiel im Giebelfachwerk verbaut, Schnitzereien auf älteren Fotos noch erkennbar, später abgearbeitet.
Umbauten im 19. und 20. Jahrhundert: Im 19. Jahrhundert wurde das Gebäude erheblich umgebaut und erweitert; die Baudaten sind durch Wertsteigerungen und Beschreibungen in den Taxationsprotokollen zur Brandversicherung überliefert: 1834 wurde das Außenwandfachwerk der linken Traufwand und im Dielen-Untergeschoss des Vordergiebels erneuert, gleichmäßiges Rasterfachwerk mit drei Riegelreihen und zwei gegenläufigen, gekrümmten Fußstreben (am Vordergiebel nur am rechten Eckständer). Gleichzeitig wurde die Diele zweigeschossig durchgebaut und das Dielentor durch eine zweiflügelige Haustür mit zwei seitlichen Fenstern ersetzt. 1857 wurde das Haus um ein Hinterhaus von vier kürzeren Fachen erweitert; Fachwerk aus relativ dünnen Hölzern mit Eckfußstreben in den hinteren Fachen. Um 1970 Umbau des Hauseingangs und Einbau einer Garage rechts daneben; Garagentor um 2025 wieder zurückgebaut.
Inschriften
Inschrift auf dem Giebelbalken:
- WER:GOT:VERTRAWET:HAT:WOL:GEBAWET:
Auffällig ist das runde "E"; die dreifachen (!) Trennpunkte (Foto 1936) zwischen den Wörtern sind heute, nachdem die Inschrift nachgeschnitzt worden ist, nicht mehr erhalten.
Auf dem seit dem Umbau 1834 senkrecht verbauten Rest des Torsturzes waren die folgenden Inschriftreste erhalten:
...RNHART WA...[6]
Die vollständige Inschrift des Torbogens wurde schließlich in einem Skizzenbuch von Emil Zeiß (1833-1910) aus der Zeit um 1875-77 wiederentdeckt (Skizzenbuch 23, Lippisches Landesmuseum Detmold). Zeiß skizzierte den Torbogen mit der Inschrift und dem umlaufenden breiten Zierband aus Perlschnur und zwei Taubändern; außerdem notierte die Inschrift am Giebelbalken unter "Bl(omberg)No. 304, L. Burgdorf" (Abbildung):[7]
BERNART WALE / ANNO DOMINI / 1.5 7.1.
Die inschriftliche Datierung 1571 passt mit der dendrochronologischen Datierung "Ende 1569" (aus zwei Ständern des Giebelfachwerks) gut zusammen; in diesem Fall wurde also knapp zwei Jahre vor dem Bau des Hauses mit dem Holzeinschlag begonnen.
Eigentümer*innen, Bewohner*innen
AB 1901, S. 162: Am Brink 4, Burgdorf, Karoline, Wwe. Steinhagen, Fritz, Tagelöhner.
Literatur
Rudolf Fricke, Das Bürgerhaus in Braunschweig (Das deutsche Bürgerhaus, XX), Tübingen 1975.
Otto Gaul, Zierschnitzereien der Renaissance an lippischen Fachwerkbauten, in: Mitteilungen aus der lippischen Geshichte und Landeskunde 27, 1958, S. 53-102.
Heinz-Walter Rolf, Die Bürger der Stadt Blomberg. Namen - Daten - Berufe - Häuser. 1525–1910, Blomberg 1996.
Heinrich Stiewe, Hausbau und Sozialstruktur in einer niederdeutschen Kleinstadt. Blomberg zwischen 1450 und 1870 (Schriften des Westfälischen Freilichtmuseums Detmold – Landesmuseum für Volkskunde; 13), Detmold 1996.
Ulrich Meier/Heinrich Stiewe, Blomberg (Historischer Atlas westfälischer Städte, 13), Münster 2022.
Quellen
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Meier/Stiewe, Blomberg, S. 22.
- ↑ Rolf, Bürger, S. 128f., ohne Quellenangabe.
- ↑ Stiewe, Hausbau, S. 255f.
- ↑ Fricke, Bürgerhaus Braunschweig, S. 58f.
- ↑ Dazu Gaul, Zierschnitereien, S. 58 und 66.
- ↑ Inschriftrest auf dem Foto von 1936 nicht vollständig abgebildet; Wortlaut nach Rolf, Blomberg (1981), S. 135.
- ↑ Stiewe, Blomberger Inschriften, S. 184ff.
Autor*innen
Seitenhistorie
Seite erstellt am 07.08.2026 von Heinrich Stiewe
Letzte Änderung am: 07.08.2026 von Heinrich Stiewe